Montag, 29. November 2010

B-Doub - Food For Thought




Dass guter Hip Hop nicht ausschließlich bekannten Quellen entspringt, ist bekannt und lässt sich allein mit einfachster Logik erklären, schließlich fing einst auch ein Nasir Jones oder Shawn Carter klein an. Dennoch erwartet man, oft zu Unrecht, von wenig bekannten Namen schlechte Aufnahmequalität, mäßige Skills, kurzum wenig Spannendes, dass man verpassen könnte. Aus Duisburg kommend, macht sich nun der Rapper/Produzent B-Doub daran, all diese Vorurteile für null und nichtig zu erklären – zumindest, was seine Musik betrifft. Beweis gefällig? Die Juice kürte sein Erstlingswerk „Jetzt Wird Tacheles Geredet“ 2007 zum 'Newcomer-Album des Monats'. Noch fragen an dieser Stelle?

Nach wie vor dennoch weitgehend unbeachtet, ließ sich B-Doub nicht lumpen und schaffte mit „Food For Thought“, wovon so manch anderer Künstler nur träumen kann und versammelt auf dreizehn Stücken Gästeliste-Plätze an Indie-Größen wie El Da Sensei, Wildchild, Edo G, Sadat X, Keith Murray oder Access Immortal, um nur ein paar zu nennen. Während also jeder Indierap-Fan bereits feuchten Höschens die CD in die Anlage schiebt, sprießen die Erwartungen in ungeahnte Höhen und jede Menge Hunger auf die Gedankennahrung. Der Titel des Albums scheint also bestens gewählt.

Wer noch immer keine Vorstellung davon hat, was ihn hier erwartet, der bekommt mit dem „Intro“ einen kleinen Aperitif serviert, ehe das gemeinsam mit Oddisee realisierte „All In A Days Work“ das frohe Treiben offiziell eröffnet mit einem zauberhaften Instrumental, welches in etwa so klingt, wie die Abschlussarbeit eines Boom-Bap-Studierenden, dessen Ziel nicht weniger als der Klassenprimus darstellt. Herrlich, zumal sich ein gelungenes Stück ans andere reiht und mit „Talk Of The City“ und der Kombo El Da Sensei und Internal Quest gleich das nächste große Ding raus gehauen wird.

Der Mittelsektor fällt mit „We Rock On“ von The Good People reichlich entspannt aus, das Zusammenspiel von A.G. und Edo G lässt keine Wünsche offen und Grauhaarträger Reks macht gemeinsame Sache mit Craig G und setzt dem Ganzen den Deckel auf. Dabei hat man den guten Access Immortal noch gar nicht zu Ohren bekommen, der auf „Crown Me King“ bezaubernde Streicher bezirzt und noch vor dem abschließenden Auftritt von Compton-Urgestein MC Eiht den Weg zum Resümee ebnet.

Was die Tracklist mit all ihren hochkarätigen Features bereits verspricht, hält diese auch im Praxistest und beherbergt eine ganze Sammlung hübscher Boom-Bap-Bretter, die in ihrer handwerklichen Umsetzung kaum Wünsche offen lassen und eingangs angesprochene Zielgruppe bestens bedient. Dazu die Cuts von DJ Devastate und fertig ist ein Album, das den Charme vom New York der Neunziger atmet, dabei aber dennoch frisch und überzeugend den Nerv des Hörers trifft und so für ein rundum wohliges Hörvergnügen sorgt.

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