Mittwoch, 10. März 2010

Inflabluntahz - Segen & Fluch




Nachdem thematisch doch stark limitierter Straßenrap die jüngere Vergangenheit im Rap dominierte, herrscht seit einiger Zeit wieder erhöhter Bedarf an gehaltvollen Texten, die mehr zu bieten haben, als den immer gleichen Beton-Alltag. Bodenständige Texte, aus dem Leben gegriffen, die auch die nachvollziehen können, die den Asphaltgeruch höchstens vom Sonntagmittag-Spaziergang her kennen. Dazu Künstler, die man nicht fürchtet, sondern durch ihre ehrlich gesonnene Art sympathisch rüberkommen. Und nicht zuletzt eine unbändige Liebe für die Sache selbst, für Rap, die man in jeder Sekunde herauszuhören vermag.

All das lässt sich auch über Franksta (MC & DJ) und Nicoist (Beats & Produktion) sagen, die Ende März über das gern gehörte Rubin-Label (Nazz N Tide, B.E.) ihr prall gefülltes Album „Segen & Fluch“ veröffentlichen. Auf der CD verteilen sich ganze 22 Anspielpunkte, die ausreichend Stoff geben für einen schönen Abend mit gelungener Musik und einem guten Gefühl, dass Rap halt immer noch derbe ist. Vorausgesetzt die dargebotene Qualität passt und schafft es bei der schieren Masse grobe Schnitzer zu vermeiden.

Der Beginn setzt jedenfalls eindrucksvoll Akzente und begeistert durch wunderbar melancholische Instrumentale, die Stimmung aufbauen und durch die inhaltlich starken Lyrics vom gebürtigen Rumänen Franksta ergänzt werden. So ist man geneigt zu glauben, wenn auf „Lang genug gewartet“ von 77 Minuten aka 22 Tracks, frei von Makeln, die Rede ist. Und in der Tat, die Thematik von Songs wie „Just A Dream“ geht dank Instrumental und detaillierter Lyrik voll auf und lädt den Geist ein, sich mit dem Gesprochenen auseinander zu setzen.

Das ist auch zwingend von Nöten, denn ein Großteil der Tracks prägt eine inhaltliche Schwere und Ernsthaftigkeit, die das bewusste Wahrnehmen, wenn nicht gar mitlesen (dank Booklet), zur Grundvoraussetzung macht, möchte man „Segen & Fluch“ voll und ganz genießen. Dass es dennoch nicht immer nur von Sorgen und Gedanken getragen, ja fast schon gequält, durchs Leben geht, beweisen dann immer wieder Ausreißer wie „Fight Club“ oder „Frontlinien“, die für willkommene, wenn auch nicht zwingend benötige Abwechslung sorgen.

Kern des Albums sind ohne Zweifel aber die tiefsinnigen Texte, begleitet von tief traurigen Streichern und gezielt gezierten Piano-Klängen (Paradebeispiel: „Lass uns reden“). Dabei werden fast schon naturgemäß keine neuartigen Themen behandelt, aber wenn Franksta die alte, aber immer noch bewährte These vertritt, Reden sei die beste Therapie oder den obligatorischen Track an die Liebste bringt, ist das handwerklich derart gelungen, dass man nicht meckern möchte. Toll auch das Feature der Wuppertaler-Edelzunge Sinuhe auf „Berg und Talfahrt“, für das Nicoist, neben Ill-Luzion Hauptverantwortlicher für den Sound des Albums, einen richtig dicken Beat vom Stapel lässt.

Als seien diese 22 Stücke noch nicht genug, fährt das Album noch eine Bonus-CD auf, mit weiteren 18 Stücken. Darauf enthalten sind zur Hälfte Tracks, die in Form von Remixen in neuen Gewändern glänzen, zusammengefasst unter dem Titel „Influzion“. Die zweite Hälfte, schlicht „Bonus Tracks“ betitelt, fährt dann noch weiteres Material auf und die 18 Extrahäppchen komplettiert. Die Tatsache, dass es sich dabei längst nicht um minderwertige Stücke handelt (Features von Donato und Nazz N Tide), sondern um richtig schöne Bonus Cuts, sowie die durchweg hohe Qualität vom eigentlichen Album „Segen & Fluch“, machen das Ganze zu einer absolut runden Sache, in die man investieren sollte. Großartig.
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Montag, 8. März 2010

Puppetmastaz - The Break Up




Das Debütalbum ist zumeist eine der interessantesten Stationen der Discographie. Mal gibt es die Möglichkeit, an die Anfänge eines mittlerweile etablierten Acts zurückzublicken, mal präsentiert sich jemand neu, der viel verspricht und diese Versprechen im Laufe der nachfolgenden Veröffentlichungen hält und steigert. Ab und an ist das Debüt gar schon der künstlerische Zenit, der Höhepunkt, nach welchem es objektiv betrachtet nur noch konstant nach unten geht. Bei den Puppetmastaz, der wohl bekanntesten Puppen-Rap-Crew der Welt, trifft wohl leider Letzteres zu, was sie nicht davon abhält, mit vereinen Kräften ein, allem Anschein nach, letztes Mal Album die Beine zu stellen und damit bereits den vierten Langspieler an den Mann zu bringen.

Alles begann mit dem ohne jeden Zweifel erhabene „Creature Funk“, ein Album, das durch die eigene Note der Mastaz und die angenehm verspielten, ins Ohr gehenden und dort verweilenden Beats schlichtweg passte und sich, wenn man so will, eine Nische schuf, die des Puppen-Rap. Dieser Faden wurde mit „Creature Shock Radio“ weiter gesponnen, verlor sich jedoch schon ein wenig, ehe man mit „The Takeover“ ein desolates Werk erschuf, das im Vergleich zum Erstling mehr als alt aussah. Und nun also „The Break Up“, sechzehn Stücke, die den puppeninternen Zwist zu großer Egos darlegen sollen, ein musikalisches Erbe an die angehenden Rap-Puppen dieser Welt.

Doch schon „Keyhole“ entpuppt sich als unausgereiftes Stück Musik, dessen Beat nach einem obskuren Durcheinander klingt und mit Ausnahme des Elite-Reimers Snuggles, ein mit reichlich Spucke gesegneten Hasen, der hier wieder eine gewohnt gute Figur abgibt, blass bleibt. Besonders erschreckend die Performance vom augenscheinlichen Führer der Crew, Mr. Maloke. Denn während es dem ebenfalls beteiligten Wizard, einer Kröte, wenig später mit „Masquerade“ gelingt, ein zumindest ordentliches Stück zu kreieren, das allenfalls durch die fragwürdige Hook für Stirnrunzel sorgt, beleibt Mr. Maloke die gesamte Spielzeit über reichlich farblos.

Gefallen findet man dagegen bei dem von Tango und Croucho inszenierten „Put A Bug Pon You“, das nicht nur gefällt, sondern dank astreinem Puppen-Patois auch noch für einen Schuss Abwechslung im mittlerweile fast schon zur Gewohnheit gewordenen Puppen-Rap sorgt. Interessant auch das zunächst gewöhnungsbedürftige „Poety In Motion“, für das sich erneut Tango einfand, der mit E-Wiz, einer Art Puppenausgabe von Elvis Presley, gemeinsame Sache macht.

Das klare Highlight ist jedoch das von britischen Künstlern, allen voran wohl Dizzee Rascal, inspirierte „Tamiflu“, bei dem Squid und Buggles ordentlich Fahrt aufnehmen und mit wohlklingendem britischen Akzent begeistertn. Das macht Laune und sticht in seiner Qualität derart heraus, dass ein ohnehin schon bescheidenes „J.A.Y.B.“ oder „Late Night Malocko“ gleich nochmals eine Stufe tiefer fällt und den Eindruck des Albums nach unten zieht.

So oder so müssen wohl selbst hartgesottene Puppetmastaz-Freunde eingestehen, dass das nicht das Beste ist, was die Formation, im Übrigen ansässig in Berlin, im Stande ist zu leisten. Weshalb man es fast schon leicht verschmerzen könnte, wäre dies nun wirklich das Ende. Da sich genug voreilig verkündete Rücktrittsmeldungen im Nachhinein erübrigten, setzen wir an dieser Stelle mal ein Fragezeichen und sehen zu, ob der Bruch innerhalb der Truppe tatsächlich von Dauer ist. Schade, aber Puppen können definitiv mehr am Mic.
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Diese Rezension erschien ebenfalls auf HipHopHolic.de

Sonntag, 28. Februar 2010

Swollen Members - Armed To The Teeth




Die Swollen Members melden sich mit ihrem sechsten Studioalbum nach drei turbulenten Jahren zurück! Nachdem 2006 das bis hierhin letzte Album „Black Magic“ veröffentlicht wurde, gab es eine Menge Turbulenzen im Leben der Members, allen voran Mad Child. Dieser steckte laut eigener Aussage richtig tief drin im Sumpf aus Drogen und verzerrter Weltansicht, bekam den langen Arm des Gesetzes leidvoll zu spüren, als man sein Haus durchsuchte und ist nun bereit wieder musikalisch durchzustarten. Wieder mit von der Partie natürlich auch sein Rap-Partner Prevail und der DJ / Produzent der Truppe, Rob The Viking. Gemeinsam ist man „armed tot he teeth“ und willens gegen die inneren Dämonen in den Kampf zu ziehen.

Das Cover ist hierbei die konsequente Weiterführung, mit dem Unterschied, dass zu Zeiten von „Black Magic“ noch auf die Kriegsaxt geschworen wurde, während nun die AK-47 die Waffe ihres Vertrauens darstellt und mit rauchendem Lauf eine gewisse Bedrohlichkeit ausstrahlen möchte. Hinzu kommen mit Flammen hinterlegte Augenhöhlen, die unmissverständlich darstellen, dass jeder der drei voll bei der Sache war, um dieses 18 Stücke umfassende Album zu erschaffen, für das man auch mit Namen wie Tech N9ne, Talib Kweli oder auch Everlast zusammenarbeitete.

Getreu dem Albumtitel / -cover geht es von Beginn an auch gleich richtig zur Sache mit dem energisch auftretenden „Reclaim The Throne“, welches einen verheißungsvollen Start andeutet, der im von klirrender E-Gitarre durchzogenen „Porn Star“ seine Fortsetzung wiederfindet. Das gefällt, wenngleich die zusätzlichen Rock-Einflüsse etwas abrupt ins Spiel kommen. Gelungen auch „Kyla“, bei dem Rob The Viking sehr viel Liebe zum Detail bewies und einen herrlichen Beat auf die Beine stellte, den Prevail und Mad Child mit ehrlichen Worten veredeln. Weiterhin ehrlich und vor Energie nur so strotzend geht es bis zur Hälfte des Albums weiter und der Hörer erfährt unter anderem auf dem Mad Child-Solo „My Life“, dass dieser in seiner schwierigen Zeit mehr Pillen zu sich nahm als Eminem. Besorgniserregend, aber in seiner hier dargelegten Form ungeheuer fesselnd.

Erst mit „Certified Dope“ wird etwas Fahrtwind heraus genommen, das die Serie an gelungenen Stücken unterbricht und nicht allzu berauschend ins Ohr. Richtig unangenehm fallen dann jedoch erst die beiden von Auto-Tune misshandelten Tracks „Flyest“ und „Real P.I.“ (mit Glasses Malone) ins Gewicht. Da tat man wahrlich gut daran, es dabei zu belassen und die zweite Hälfte des Albums neben solchen Missgeschicken mit schönen Dingen, etwa dem Kweli/Phil Da Agony/Krondon-Feature auf „Crossfire“ oder dem tadellos instrumentalisierten „Concerto“ zu bestücken.

Daraus resultiert das allgemein sehr positiv wahrgenommene Fazit, mit „Armed To The Teeth“ ein richtig schmuckes Album in den Händen zu halten, das zwar nicht frei von Fehltritten ist, durch seine vermittelte Power jedoch aus dem allgegenwärtig fühlbaren Winterschlaf reißt. Eine gute Sache, die die Swollen Members hoffentlich weiter darin bestärkt, Musik zu machen. Gelungen.

Checkt auch die Tour-Termine in Deutschland:

14.03.2010 Weinheim, Café Central
16.03.2010 Berlin, Cassiopeia
17.03.2010 Leipzig, Conne Island
20.03.2010 Münster, Skaters Palace

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Diese Rezension erschien ebenfalls auf HipHopHolic.de

Freitag, 26. Februar 2010

Resurrection of Rap - Jetzt auch bei Facebook

'Resurrection of Rap' gibt es seit neuestem auch auf Facebook. Zwar bin ich nicht der größte Freund von Facebook und Co., aber man muss ja irgendwo auch mit der Zeit gehen. ;)

Wer also Teil der großen, bunten Facebook-Welt ist und den Blog unterstützen möchte, der möge sich doch einfach als Fan eintragen. Folge einfach dem Link:

Resurrection of Rap auf Facebook

In den nächsten Tagen und Wochen erwarten euch unter anderem folgende Rezensionen:

Blak Madeen - Sacred Defense
Inflabluntahz - Segen & Fluch
Puppetmastaz - The Break Up
Swollen Members - Armed To The Teeth

Dienstag, 23. Februar 2010

Jai spricht: über das Verhalten von Labels/Künstlern

Die Musikindustrie, eine der größten Industriespielplätze auf dem Unterhaltungssegment und Dreh- und Angelpunkt etlicher Seiten im Internet, so auch 'Resurrection of Rap'. Eine Industrie, in der es um riesige Geldsummen geht und der es lange Zeit blendend ging. Doch dann kam der Abbruch, die Absätze brachen ein und alles fing an zu bröckeln, das Konzept vom Künstler, der aufgebaut und groß gemacht wird, um ihm eine glorreiche Karriere zu bescheren, sackte in sich zusammen. Stattdessen fing man an Künstler zu pushen, sie ins Rampenlicht zu bringen mit ein, zwei Songs für die Masse und sie nach dem kurz bescherten Geldregen wieder fallen zu lassen.

Grund für diesen Einbruch in der Musikindustrie ist dabei mitunter weder die mangelhafte wirtschaftliche Lage der potenziellen Käufer, noch ließ und lässt sich alles auf das illegale Herunterladen schieben. Vielmehr sind es die Labels selbst, die sich selbst getrost ins Abseits manövrierten und dies noch immer tun. Sie bekamen den Rachen nicht voll, Geld war gut und schön, doch mehr Geld war besser und schöner. Die Musik litt hörbar, der Käufer ließ sich nicht lumpen und hinterfragte, ob ein Kaufpreis von 15 Euro gerechtfertigt ist, wenn am Ende selten mehr als eine erdrückende Majorität von halbgaren Stücken blieb. Man hatte es sich bei der Kundschaft verscherzt, nicht gänzlich, aber mit Sicherheit ist dies noch heute der Grund für viele, weshalb sie statt CDs lieber zur illegalen Alternative, dem Herunterladen, greifen.

Es folgte der falsche Umgang mit den Medien. Hier möchte ich aus erster Hand Eindrücke mit einbringen, da ich vor nicht allzu langer Zeit selbst erst zum Großgebiet Medien zugehörig wurde und begonnen hatte, den Kontakt zu Labels zu suchen. Als unentgeltlich voranschreitender Redakteur, der aus Liebe zur Sache ans Werke geht, ging ich davon aus, dass man mich mit offenen Armen empfangen würde und gerne bereit wäre, mich mit Rezensionsmaterial zu versorgen. Schließlich gibt es kaum günstigere Werbung, als das zur Verfügung stellen eines einzelnen Exemplars, um damit die Aufmerksamkeit von tausenden von Menschen zu gewinnen.

Unterm Strich, Ausnahmen ausgeschlossen, läuft es jedoch meist so ab, dass sich Labels zu schade sind, um auf Anfragen dieser Art zu reagieren oder nicht einmal ein Exemplar zur Rezension zur Verfügung stellen, stattdessen auf Streams und Download-Links setzen. Für den detailverliebten, der gerne auch einen Blick auf Cover und Artwork wirft und den nostalgischen Rezensenten, der sich nicht damit abfinden mag, dass die Musik mehr und mehr nur noch virtuell existiert, ist das eine Klatsche ins Gesicht. Kommt dann auch noch offen die Unterstellung zu Tage, man sei nur daran interessiert, umsonst CDs ab zugreifen, platzt selbst dem kühlsten Redakteur schon mal der Kragen.

Man investiert viel Zeit, Freizeit wohlgemerkt, darin, Labels und Künstler anzuschreiben. Man nimmt sich die Zeit und nimmt sich den Veröffentlichungen genau an, versucht einen groben Eindruck davon in schriftlicher Form festzuhalten und weiter zu vermittelt. Verbringt mitunter Stunden damit, bei den zahlreichen Labels anzuklopfen und um Rezensionsexemplare zu bitten. Erhält weder einen Verdienst noch sonstigen Dank, abgesehen von dem ein oder anderen Leser, der mit seinem Kompliment die Arbeit würdigt. Und bietet Labels einen Dienst an, der in erster Linie vor allem Ihnen selbst zugute kommt und wird abgestempelt als Schmarotzer. Das stinkt. Und zwar gewaltig.

Nun wird jeder wissen, dass es nicht ausschließlich darauf ankommt was man sagt, sondern wie man es sagt. Und auch hier beweisen Labels, zum Teil auch die kleinen Labels, die sich eigentlich ganz besonders über jegliche Unterstützung freuen müssten, grandioses Feingefühl und glänzen durch lyrische Unverschämtheiten aller erster Güte. Gepaart mit einer nicht zu unterschätzenden Arroganz bekommt der Rezensent quasi die ideelle Krone aus Pappkarton aufgesetzt, die leicht penetrant nach Urin und dergleichen stinkt. Da weiß selbst der sich aktiv für die Musikindustrie einsetzende Rezensent gleich wo er bei Labels steht.

Zu guter Letzt darf dann noch gesagt werden, dass auch etliche Künstler jegliches Fingerspitzengefühl und jede Form von Takt verloren haben. Auch hier sieht man sich nicht selten einer Übermacht an Egoismus und Arroganz vor, die gestraft gehört. Gestraft in Form von Nichtbeachtung als Weg zurück zur Wertschätzung. Und das sage ich als Verfechter der Industrie, der weiter CDs im Laden stehen sehen möchte, der die Menschen zum Kauf animieren möchte. Tut mir Leid, aber wer so mit seinen Liebsten umgeht, der geht ausgesetzt in der Wildnis. Alleingelassen von jedweder Hilfe, zurück auf dem Boden der Tatsache.

Das ist mein Resümee nach etwas über einem Jahr als Rezensent. Ja, hier spricht natürlich auch die innere Wut eines persönlich Betroffenen. Aber dennoch wird die Frage erlaubt sein, ob Labels selbst mittlerweile nicht mehr genug an Ihre Veröffentlichungen glauben, wenn sie nicht mal mehr bereit sind ein Exemplar zugunsten X möglicher, daraus resultierender Käufe bereitzustellen. Das ist Dekadenz, wie man sie an dieser Stelle wohl nicht erwartet. Und so lange wie dieses Verhalten anhält (man darf wohl davon ausgehen, dass ein Ende auch in einigen Jahren nicht in Sicht sein wird), gehören Künstler, die sich bei Interviews unfreundlich, hochnäsig und wortkarg geben, sowie beschriebenes Verhalten seitens der Labels gestraft. Selbst schuld.


Bestens,
Jai

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Mir ist sehr wohl bewusst, dass es auch positive Beispiele gibt, sowohl auf Seiten der Künstler als auch Labels. Da sich jedoch insbesondere in der jüngeren Vergangenheit derartige Fälle mehrten, gilt dies den zahlreichen schwarzen Schafen. Weder glaube ich dadurch etwas Wesentliches zu Erreichen, noch wird jeder meiner Meinung sein. Die Gelegenheit, meinen Gedanken und der aufgestauten Wut freien Lauf zu lassen, wollte ich mir dennoch nicht entgehen lassen.

Sonntag, 21. Februar 2010

Timbaland - Shock Value II




Hat das alles noch mit Hip Hop zutun? Ist das nicht schon seelenlose Plastikmusik, die einzig und allein dem Zwecke des Geldverdienens wegen erschaffen, veröffentlicht und vermarktet wird? Ist Timbaland vom rechten Weg abgekommen? Und was würde Aaliyah heute über Herrn Mosley denken? Das sind Fragen, die man sich bei „Shock Value II“ besser nicht (mehr) stellen sollte. Denn zum einen wird darüber ohnehin schon leidlich oft genug debattiert und zum anderen schmälert das das idealerweise doch objektive Hörverhalten eines Jeden derart deutlich, dass bereits im Vorfeld ein wesentlicher Teil des möglichen Spaßfaktors verloren geht.

Folgerichtig nimmt man die Gastauftritte von Namen wie Miley Cyrus, Kate Perry oder die schon wieder in Vergessenheit geratene JoJo als das was sie sind, Teil eines Albums, das sich in erster Linie durch seinen Sound und nicht die darauf erscheinenden Künstler definiert. Eben dieser setzt gleich zu Beginn mit dem stimmig von DJ Felli Fell bewerkstelligten „Intro“ Akzente, so dass man es fürs Erste bereut, wenn das Ganze Platz macht für einen derer, die Timbaland zu dem heutigen Status verhalfen (oder doch andersherum?) – Justin Timberlake. Mit diesem wird ein klimperndes Stück Musik in die Welt gesetzt, das trotz anfänglicher Zweifel zu überzeugen weiß.

Wunderbar auch die eingängigen Melodien von „Tomorrow In The Bottle“ mit Nickelback-Stimme Chad Kroeger und Sebastian, welches mit einer sauber ins Ohr gehenden Hook überzeugt, das kurzerhand von „Morning After Dark“ abgelöst wird, welches ohne große Zweifel als waschechter Hit bezeichnet werden darf, der zu Recht so allerhand Anklang in den Diskotheken dieser Welt findet. Dass dabei ein nicht unbeträchtlicher Teil des Euphorie der klasse weil hängenbleibenden Hook geschuldet ist und Frau Furtado recht farblos bleibt, sei dabei nur zweitrangig.

Auch „If We Ever Meet Again“ mit Kate Perry bekam bereits im Vorfeld mächtig Rotation und schafft es im Laufe der Minuten eine ganze Wagenladung Energie zu entwickeln, zu der auch das elektronisch geladene „Ease Off The Liquor“ beiträgt, ehe ein ganz herausgenommen wird. Was folgt ist eine schöne Ballade in Form von „Undertow“, bei der neben The Fray vor allem die kanadische Sängerin Esthero mit ihrer tollen Stimme für Pluspunkte sorgt.

Schwächen zeigt „Shock Value II“ hingegen bei Stücken wie „Meet In Tha Middle“ oder auch „We Belong To The Music“. Ist erstgenanntes noch halbwegs durchschnittlich geratene, uninspirierte Pampe, für die man beileibe keinen Timbo braucht, ist das Miley Cyrus-Feature der reinste Alptraum. Selbst mit dem größten Respekt vor der Dame kommt man nicht drum herum „We Belong To The Music“ als Musik für kleine Mädchen abzustempeln. Die Hannah Montana-Fans wird es freuen, alle anderen suchen wie blind die Skip-Taste.

Trotz solch einem misslungenem Schuss in den Ofen: über weite Strecken beweist Timbaland wieder ein sauberes Gespür für passende, gern gehörte Melodien, die zum wieder und wieder hören taugen und so mit zu den besseren Tracks zu zählen sind, die man beim Durchforsten des Mainstream-Marktes so finden wird. Und mit abschließendem „Symphony“ endet das Album auch noch mit einen Schuss Hip Hop. Kein Klassiker oder Überalbum, aber ein gelungener Soundtrack für unbeschwerte Momente, die mit „Shock Value II“ beste Untermalung finden.
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Diese Rezension erschien ebenfalls auf HipHopHolic.de

Gerard MC - Rising Sun




Anlässlich des jüngst veröffentlichten Reviews zum aktuellen Album „Blur“ des bodenständig gebliebenen Österreichers Gerard MC, stellt Resurrection of Rap noch einmal das viel gelobte Debüt des jungen Mannes vor. Darauf enthalten sind 19 Anspielpunkte und Features aus Deutschland (Nazz) und der Schweiz (Gimma) und jede Menge Gründe, wieso man Rap aus Österreich immer gut im Auge behalten sollte. Denn guter Rap ist seit geraumer Zeit auch im kleineren Nachbarland zu finden und verdient es darüber hinaus gehört zu werden.

Ob „Bereit oder Nicht“, los geht es mit selbigem Titel, der nicht von ungefähr an die Fugees erinnert und bei dem Julie als Lauryn Hill eine durchaus ansprechende Figur abgibt, während Gerard MC klar stellt, dass er da ist und nicht plant in absehbarer Zeit wieder zu verschwinden. Als Opener genau richtig und bereitet vor auf das was kommt. Das wäre neben einer an die „Snobs“ gerichtete Ansage ein von melancholischen Streichern veredeltes „Jede Nacht“, das eine gelungene Atmosphäre erzeugt.

Einen tollen Beat bekommt man auf „Kein Weg Dran Vorbei“ auf die Ohren, für das Glashaus als Inspirationsquelle dienten. Dass diese Nummer, wie im Booklet zu lesen, erst kurz vor knapp entstanden ist, hört man ihr in keinster Weise an, einer der besten Tracks des Albums. Den Platz an der Sonne ergattert jedoch das von Nazz begleitete „Briefe“, ein grandioser Track über die Zweifel, Ängste und leicht depressiven Gefühle, die einen beim Erschaffen eines Albums schon mal beschäftigen können und auch sonst mal über einen kommen können. Ein Thema, das auch auf dem von sido-Sample begleiteten „Solange“ mit offenen Worten für die Welt da draußen thematisiert wird, sowie „Blockade“.

Nun könnte man nahezu jeden Track ausführlich besprechen, steckt hinter nahezu jedem Stück eine Entstehungsgeschichte zum Nachlesen, doch würde dies den hier zur Verfügung stehenden Rahmen sprengen. Zumal schon die genannten Stücke die dargebotene Qualität darstellen, die sich hier auf konstant hohem Niveau aufhält und auch im gar nicht so versteckten Track „Tales From The Darkside“ samt epochalem Beat nicht nachlässt. Ein klasse Debüt, das es wert ist gehört zu werden.

Randnotiz: Wer sich sein eigenes Exemplar von „Rising Sun“ noch sichern möchte, der sollte sich beeilen, die Zahl der noch verfügbaren CDs geht gegen 0. Also schnell noch mitnehmen, ehe sie vergriffen sind. Wie viel? Gediegene 11 Euro (inkl. Porto) oder aber im Set mit „Blur“ für 15 Euro (inkl. Porto). Wo? Schreibt einfach eine Mail an Gerard MC. Auf Wunsch gibt’s auch eine Signierung.