Dienstag, 12. Juni 2012

Im Gespräch: Fage MC (+ Gewinnspiel!)


Erst kürzlich war an dieser Stelle die Review zu seinem beeindruckenden Debüt "Verderb und Gedeih" zu lesen, nun steht er uns Rede und Antwort: Fage MC, ein Name, den man künftig auf dem Zettel haben sollte, geht es um die Zukunft von deutschem Sprechgesang. Resurrection of Rap bekam die Gelegenheit und hakte nach. Über den Künstler selbst, seine Songs und die Hintergründe, Gewalt in Songtexten und was wir in der Zukunft noch so alles von ihm erwarten können. Obendrauf gibt es das Album "Verderb und Gedeih" zwei Mal zu gewinnen - nähere Infos am Ende des Interviews.


Zunächst die obligatorische Vorstellung für die, die dich noch nicht kennen: Wer ist Fage MC und was gibt es über ihn zu wissen?

Fage MC ist ein neuer Rapper aus Tübingen, dessen Name man sich einprägen sollte. Ich mache Musik, die den belohnt, der sich darauf einlässt. Kurz gesagt: Tiefsinnigen Rap und Storytelling auf melodischen Instrumentalen. Mehr erfahrt ihr auf http://fagemc.de!



„Verderb und Gedeih“ ist der Titel deines Debüts. Wie lange hast du daran gearbeitet und was steckt hinter dem Titel?

Diese machtvollen Worte sind der Redewendung „Auf Gedeih und Verderb“ entlehnt. Mit ihr beschäftigt sich auch das gleichnamige Lied, welches das Gefühl beschreibt rückhaltlos alles in die Konsequenz einer Entscheidung zu investieren. Die anderen Lieder interpretieren jedes für sich unterschiedliche Perspektiven der facettenreichen Gegensätze „Verderb und Gedeih“. Tod, Leben, Düsternis, Licht, Verzweiflung und Hoffnung. Die Texte sind mit vielen anderen im Zeitraum von etwa zwei Jahren entstanden. Der Aufnahmeprozess ging aber recht schnell über die Bühne.



Das Album wurde von Frank Zumbroich produziert, der wiederum als Rock-Produzent gehandelt wird. Woher kam diese zunächst ungewöhnlich wirkende Entscheidung?

Er ist einfach ein genialer Schlagzeuger und Musikproduzent und hat auch schon in vielen erfolgreichen Bands gespielt. Ich bin der erste Rapper mit dem er zusammenarbeitet und das ist auf jeden Fall eine Ehre für mich. Es war von dem her keine Entscheidung für einen Rock-Produzenten, sondern eine Entscheidung für gute Musik!



Einer der herausragendsten Songs ist „Schwerelos“, in dem du von unglaublich leidvollen Bedingungen sprichst, unter denen nicht wenige Kinder dieser Erde zu leben haben. Welche Reaktionen seitens der Hörer erhoffst du dir durch solch ein Stück?

Ich habe es zunächst vor allem für mich geschrieben, um selbst Eindrücke zu verarbeiten, die ich bei meinen Sozialprojekten in Nicaragua gesammelt habe, einem der ärmsten Länder der Erde. Genauso will ich aber auch den Hörer treffen, weshalb ich gerade diese beiden drastisch-plastischen Geschichten für die Strophen ausgewählt habe. Dass „die Kinder in Afrika“ Hunger leiden ist sozusagen floskelhaftes, abstraktes Begleitwissen eines jeden Deutschen und lässt ihn eher kalt. Tatsächlich die konkrete, beinahe unvorstellbare Fürchterlichkeit bestimmter Einzelschicksale vor Augen geführt zu bekommen, berührt den ein oder anderen vielleicht aber doch.


Auch „Verdammte Tür“ bleibt bereits nach dem ersten Hören im Gedächtnis und berichtet vom plötzlichen alleine sein. Wie viel eigene Erfahrungen packst du in deine Texte?

Kein Song kann mich ganz abbilden, aber in jedem steckt ein Fragment meiner Erfahrungen oder Gedankenwelt. Dennoch muss man immer differenzieren zwischen mir als Privatperson, dem Künstler Fage MC und dem lyrischen Ich in einem Lied. Diese drei können auseinanderfallen, wenn ich z.B. aus der Ich-Perspektive wie ein Romanautor eine Geschichte erzähle, die nicht von meiner Person handelt. Warum viele der Meinung sind, man darf nur über sich selbst rappen begreife ich dagegen gar nicht. Ich würde mich nie sinnlos thematisch derart einengen lassen. Ich schreibe über das, was mich beschäftigt. Und ich beschäftige mich nicht nur mit mir selbst.



Das Öffnen der Büchse der Pandora brachte, laut griechischer Mythologie, alles Schlechte über die Welt. Erzähle uns doch bitte etwas zu der Entstehung des Liedes und wie die Zusammenarbeit mit der Nu Metal-Band nulldB zu Stande kam.

Die erste Strophe dieses Liedes schrieb ich unter Tränen, im Bewusstsein der Schlechtigkeit der Menschheit. Darin wird nicht abschließend mein Menschenbild dargelegt, das natürlich nicht so schlecht ist, wie im Song beschrieben. Ich verarbeitete vielmehr verschiedene Fragen, die ich mir schon lange stellte: Wie zum Beispiel die nettesten Familienväter im Krieg schon am ersten Tag an der Front eiskalte Gräueltaten begehen können und wie leicht es geschieht, dass man bösartig oder schlecht handelt. „Was macht die Unschuld zur Hure? Was Liebe zur Perversion? Gibt es im Hirn einen Schalter für den Freitod der Emotion?“ 

NulldB sind eine coole aufstrebende Metal-Band und haben vor kurzem den deutschen Rockpreis gewonnen. Sie arbeiten mit dem gleichen Produzenten zusammen und als ich anfragte ob sie Lust auf ein genreübergreifendes Feature, waren sie sofort dabei. Es ist das erste Feature, das sie überhaupt gemacht haben, darauf bin ich natürlich stolz. Ihr genialer Gitarrist Frank Kühnlein spielte übrigens auch alle Gitarren für mein Album ein.





Beeindruckend auch „Bestie“, das mahnend an Peiniger geht und von einem inneren Ungeheuer in jedermann spricht, welches eines Tages zum Vorschein kommen mag. Fühlst auch du hin und wieder diese 'Bestie' in dir?

Ja, sicher. Vor allem als Jugendlicher spürte ich oft einen unbändigen Zorn in mir. Letztlich erzählt der Song aber metaphorisch von einem potentiellen Amokläufer. Vielleicht wächst ihm beim nächsten Mal kein zweites paar Arme aus dem Rücken, wie im Song, aber er besorgt sich halt eine Knarre.


Deine Texte sind vielseitig, Hinhören wird immer mit tollen Aussagen belohnt. Wie sehr fühlst du dich deinen Hörern gegenüber in der Verantwortung, ein geeignetes Vorbild abzugeben?

Eigentlich gar nicht. Wenn ich Lust darauf hätte, würde ich auch sofort einen miesen Battle-Track schreiben, wie früher. Das reizt mich aber gar nicht mehr. Zudem wird meine Musik wohl auch vor allem von Erwachsenen gehört, sehr viele davon sind älter als ich. Ich denke die brauchen dann auch selten ein umfassendes Vorbild.


Was hält jemand wie du von Gewalt verherrlichenden  Texten, von Angeberei mit Straftaten und erfundenen Gangster-Geschichten? Was hört Fage MC privat gerne und vor allem warum?

An Rap habe ich immer die sprachlichen Ausdrücksmöglichkeiten und die Textdichte geschätzt, mit der man mehr Inhalt und Geschichten transportieren kann, als in jeder anderen Musikrichtung.  Aus diesem Grund mag ich anspruchsvolle Rap-Lyrik von Donato über Inflabluntahz zu Absztrakkt. Früher habe ich auch gerne Curse und Torch gehört, aber auch viel Azad, Savas, Tone und andere. Ich will halt immer einen spannenden Inhalt. Deswegen können mich die endlos gleichen lahmen Battletracks und Asphaltgeschichten der Streetrapper auch nicht begeistern.


Gibt es Künstler in Deutschland, mit denen du eines Tages sehr gerne zusammen arbeiten würdest?

Curse vielleicht, weil er als einziger medienrelevanter Rapper ein paar wirklich tiefsinnige Tracks hatte. Es gibt eigentlich niemand dessen Feature mir einen Traum erfüllen würde, aber ich freue mich über jede Zusammenarbeit mit Rappern, die ich schätze, und ich freue mich, wenn mir gestandene Persönlichkeiten Respekt entgegen bringen.


Wie geht es weiter mit dir? Was ist geplant, wann kann man dich live erleben?

Ich plane eine Band zusammenzustellen und eine geile Live-Show auszuarbeiten, die sich ein wenig von den langweiligen Standardauftritten vieler Rapper abhebt. In Zukunft werde ich auf jeden Fall vermehrt Live spielen. Aktuelle Infos gibt es auf http://fagemc.de.


Ich danke für deine Zeit und die Beantwortung der Fragen und übergebe noch ein letztes Mal an dich, um ein paar letzte Worte an die Menschen da draußen zu richten.

Wir sind das Licht der Welt, sind das Salz der Erde! Setz‘ die Segel gegen Gegenwind, Gedeih gegen Verderben!


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VERLOSUNG

Resurrection of Rap verlost gemeinsam mit Fage MC zwei Exemplare seines Debüts "Verderb und Gedeih". Was ihr dafür tun müsst? Ganz einfach:


  1. Falls ihr es noch nicht seid, werdet Fan von 'Resurrection of Rap' -> HIER
  2. Teilt den zu diesem Interview gehörenden Post
  3. Gewinnt mit etwas Glück eines von zwei Alben
Ende der Verlosung ist der 20. Juni!




Montag, 11. Juni 2012

Akua Naru - Live & Aflame Sessions (Review)



Es geht zu den schönsten Momenten eines Rezensenten, wenn da ein Album auf dem Schreibtisch liegt, auf Besprechung wartend, zu dem man bereits im Vorfeld etwas schreiben möchte, sich ausmalt, in welche Richtung es gehen wird, um dann beim letztlichen Hören zu erkennen, dass man gründlich falsch gelegen hat mit seiner Voreinschätzung. Geschehen ist dies jüngst bei Akua Naru, jener US-amerikanischen Rapperin, die zu Beginn des Jahres 2011 ihr Debüt „The Journey Aflame“ veröffentlichte und nun mit der Live-Version und erweiterten Interpretationen Dank der hierfür hinzugezogenen DIGFLO Band ein neues Eisen im Feuer hat. Nun sind Live-Alben im Rap-Genre nicht unbedingt das, was man als unabkömmlich bezeichnen wurde. Nicht selten stellt sich bei Live-Aufnahmen heraus, dass die Stimme/Lunge nicht ganz so strapazierbar ist, als im heimischen Studio und die Klangqualität rutscht nur allzu gerne in ein schwer hörbares Niveau herab, das Hörvergnügen schlicht unmöglich macht.
Akua Narua gelingt es jedoch, mit ihrem Album einen wunderbaren Schnitt zu machen, der sowohl Freunde von live eingespielter Musik als auch Studio-Liebhaber begeistern kann. Schon das erste von zehn Stücken ist der Soundtrack zum gemütlichen Abendessen und plätschert ruhig und beseelt geradezu wohltuend ins Ohr. Das wunderschöne „Take A Ride“ zwingt dem Hörer dank erlesener Cuts ein breites Grinsen auf und „The Backflip Reflipped“ ist munter und beschwingt, wie die Flora und Fauna dieser Tage. Ergänzt werden die tollen Melodien durch detailreiche, schöne Texte, die ein Zuhören zur Pflicht machen und wenn zusätzlich die von Drea D’Nur gesungenen Parts auf „Walking The Block“ und „This Mo(u)rning“ hinzukommen, schwebt man als Hörer in höheren Sphären. „Live & Aflame Sessions“ ist ein feines Stück Musik, das sich Soul, Jazz und Rap gleichermaßen bedient und kaum Wünsche offen lässt.
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Diese Rezension erschien ebenfalls auf BackSpin-Media.de

Dienstag, 5. Juni 2012

Komekaté - Gekommen um zu fressen EP (Review)



Gekommen um zu Fressen – das ist doch mal eine ordentliche Kampfansage vom Kölner Künstlerkollektiv Komekaté, das mit ihrer elf Stücke umfassenden EP an den Start geht und auf abwechslungsreiche Musik durch gerappte Beiträge auf Deutsch wie Französisch, aber auch Gesangparts setzt. Klingt super, ist im vorliegenden Falle jedoch nur bedingt positiv zu werten, was bereits nach dem sehr ordentlichen wie aggressiven Einstand „Heuschrecken“ deutlich wird: die gesungenen Parts wirken noch etwas hölzern, trotz reichlich Potential in der Stimme. Die deutschen Rap-Parts fallen nicht weniger steif und krampfhaft aus, so dass der Eindruck entsteht, auch dank der an Klischees erinnernden Stimmlagen von Benyo Hussain, Fly und Pers Bear, es mit Möchtegern-Prahlern zutun zu haben. Lediglich der französisch rappende Black Fire geht ohne große Beanstandung ins Ohr, wenngleich hier natürlich auch die sprachlichen Grenzen ein nachvollziehen der Texte sehr schwer macht.
Thematisch erinnert die EP an eine musikalische Bewerbungsmappe. Hier ein, zwei geradlinige Representer, da zwei auf Tiefsinn gepolte Stücke, Reminszensen an amerikanische Vorbilder und etwas Sozialkritik muss noch mit rein. Das wäre per se überhaupt nichts schlechtes, hätte man das Ganze etwas mehr gemischt und nicht etwa Deepes auf Deepes folgen lassen. Hinzu kommen Fehler im Grundaufbau. Der auf sozialer Kritik beruhende Titel „Deutschland“ beispielsweise entpuppt sich als blutleere Anhäufung von oberflächlichen Aussagen, die allesamt ohne Hand und Fuß dargebracht werden und die Ernsthaftigkeit vermissen lassen. Da können auch die Instrumentale (eine Produktion stammt gar vom renommierten Benny Blanco) nicht mehr viel helfen, die zumeist gut aber unspektakulär das Geschehen begleiten. „Gekommen um zu Fressen“ scheitert in der Folge vor allem am insgesamt zu harmlosen Geschehen, das im Mittelmaß der Dinge versinkt und schließlich untergeht.
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Diese Rezension erschien ebenfalls auf BackSpin-Media.de

Montag, 4. Juni 2012

Fage MC - Verderb & Gedeih (Review)



„Und das ist harter Stoff, komprimiertes Nervengift! Danach reibt eure Augen, weil die ganze Welt in Scherben liegt!“ rappt Fage MC und hat mit dieser Aussage gar nicht mal so Unrecht. Denn selten zuvor hörte man ein Album eines bis dahin eher als Geheimtipp gehandelten Künstler und war von Grund auf begeistert, wie es bei „Verderb und Gedeih“ der Fall war bzw. ist. Mit dem gesetzten Ziel, die Hörer mit Tiefsinn wie Emotionen gleichermaßen zu erreichen, macht sich der gebürtige Tübinger auf zwölf Tracks ans Werk, um so manchem seiner rappenden Kollegen vor zumachen, wie guter Rap zu klingen hat und verzichtet über die gesamte Spieldauer auf Fehltritte, präsentiert sich stattdessen sicher und selbstbewusst mit seiner Musik.
Wer bei tiefsinnigem Sprechgesang nun an träge vor sich hin plätschernde Instrumentale denkt, vorgetragen von einem Kerl, der sich anhört, als sei die Karriere als Therapeut bereits vorprogrammiert, der irrt hier jedoch gewaltig. Kaum ein Song ist ruhig und besinnlich, bereits der Beginn mit „Tage des Donners“ energisch auf treibendem Beat, der sofort mitreißt. Und statt betuchter Vortragsweise a la Referatarbeit, spuckt Fage MC nicht selten brachial und stets im Takt die Reime, die von dessen charismatischer Stimme profitieren und ein Gesamtpaket schnüren, das ohne Übertreibung zum Besten gehört, was man dieser Tage so auf die Ohren bekommt.
Mal großartig auf dem melancholisch betitelten, unerwartet mitreißenden „Schwarz-Malerei“, im nächsten Moment der begnadete Geschichtenerzähler auf dem tragischen „Schwerelos“, nur um wenig später schon wieder die perfekte Schnittstelle zwischen Rock und Rap mit „Historymaker“ zu ergründen und dabei, fast schon selbstverständlich, geschichtliches Interesse durchblicken lässt und sich Gedanken machte über das, was war und das was sein wird. Einzig die „Büchse der Pandora“ dürfte dem ein oder anderen Scheuklappenträger etwas zu rockig sein, um sofort auf den Track anzuspringen.
Weiterhin beachtlich auch der kurze Ausflug zum Poetry Slam für die pessimistische „Wahrheit“. Ja selbst ein Stück über die vergangene/vorhandene Liebschaft („Verdammte Tür“ bzw. „Sterben für Dich“ artet bei Fage MC nicht in Trübsal aus, sondern wirkt wie die besonnene Auseinandersetzung und Verarbeitung von teils möglicherweise gar selbst erlebten Dingen. Man könnte noch so viel erzählen, nahezu jeder Song wäre eine Erwähnung wert und würde die insgesamt wirklich herausragende Leistung des hier präsentierten korrekt wiedergeben. Zwölf Stücke und kein einziger Aussetzer, das nennt man qualitativ hochwertig.
Es mag wie eine überspitzte Lobrede an einen sympathischen, aufstrebenden Namen wirken, ist jedoch angesichts einer Veröffentlichung wie „Verderb und Gedeih“ keinesfalls aus der Luft gegriffen. Die Texte sind, getreu der eingangs erwähnten Zielsetzung, inhaltlich ansprechend und sorgen für Freude am Hinhören, die Produktionen sind allesamt passend wie unterhaltsam und auf einem Qualitätsstandard, wie man ihn so im Vorfeld mitunter nicht erwartet hätte. Und die Länge vom Album ist mit zwölf Liedern geradezu einladend, um es binnen kürzester Zeit mehrmals in der Anlage laufen zu lassen. Ich denke, man kann hier von einem der besten Veröffentlichungen des erstens Halbjahres sprechen und einen heißen Anwärter auf eine Platzierung in der jeweiligen persönlichen Liste der musikalischen Höhepunkte zum Ende des Jahres hin. Ganz groß.
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Diese Rezension erschien ebenfalls auf HipHopHolic.de

Sonntag, 3. Juni 2012

Freidenker - Randale und Liebe (Kurzreview)



Da sind sie wieder, die Freidenker. Nach ihrem überaus positiv aufgenommenen Album „und dann kamen die Touristen“, ist mit „Randale und Liebe“ nun ein neuer Langspieler am Start, der mit interessanter Cover-Gestaltung ins Auge sticht und musikalisch zunächst durch eine Neuinterpretation von „Blinded By The Light“, nur dass die Raps hier ein wenig neben dem Beat sind. In der Folge gibt es einige Stücke, die das Prädikat 'schön' tragen, unter anderem der simple Kopfnicker „Im Sog“, „90-60-90“, „Er & Ich“ oder das aufmunternd positiv gestimmte „Es wird geschehen“. Im Vergleich zum Vorgänger wirkt hier jedoch alles weniger ausgereift. Zum einen fehlen klare Highlights, die im Ohr hängen bleiben und einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Zum anderen finden sich immer wieder Makel, die das Gesamtbild eines ansonsten überaus ordentlichen Songs ein wenig zerstören (ausbaufähige Hook, erzwungene Reime,...). Kein wirkliches Muss, dieses Album, aber zumindest guter Durchschnitt.




Donnerstag, 24. Mai 2012

B.o.B. - Strange Clouds (Review)



„You think you know me, but you ain’t seen half of me“ heißt es in einem der Texte von B.o.B., auch bekannt als Bobby Ray, welcher nach seinem 2010 erschienen Debüt nun mit „Strange Clouds“ nachlegt und ein weiteres Mal seine besondere Stellung im Rap-Geschäft untermauert. Denn während nicht wenige seiner Kollegen fast schon verzweifelt auf der Suche nach einem, respektive ihrem Sound sind, gastiert Bobby Ray seit Tag eins in sämtlichen Gefilden, die die weite Musikwelt so zu bieten hat und lässt kaum eine Gelegenheit aus, um den Hörer zu überraschen. Sei es durch ein gewagtes Feature mit Taylor Swift, ein Intro mit Morgan Freeman oder eigene Gastbeiträge auf anderen Songs, wenn eindrucksvoll die klassische Rap-Ader zum Vorschein kommt, die man angesichts so verspielter Eigenkreationen gerne mal zu vergessen droht.
Bereits der angesprochene Opener „Bombs Away“ ist ein abwechslungsreiches Stück Musik, das sich mit voranschreitender Spieldauer entwickelt und zu einem großartig produzierten Einstand mutiert. Nicht ganz so detailliert, dafür radiotauglich, sind „Ray Bands“ (mit potentieller Ohrwurm-Hook) und das mit Unterstützung von Lil Wayne inszenierte Titelstück und „Both Of Us“ ist dann gar ein geschmackvoller Hybrid aus Rap und Pop. Dass es auch sehr gut ohne fremde Beihilfe geht,  wird nur wenig später mit „Play For Keeps“ bewiesen, dem vielleicht besten Song des gesamten Albums, der sich schlicht mit dem Adjektiv groß umschreiben lässt und dem Album einen wesentlichen Stempel aufdrückt.
Auf wen dies alles zu oberflächlich und grob konstruiert wirkt, der möge sich Stücken wie „So Hard To Breath“ oder „Chandelier“ widmen. Hier kommen neben den Talenten als Unterhalter auch die textlichen Qualitäten zum Vorschein und stellen sich willkommener Weise in den Mittelpunkt und bilden damit wirksame Gegenpole zu den einfacher strukturierten Stücken des Albums. Mit dem spacigen „Castles“ sowie dem internationalen „So Good“ gibt es den Beweis, dass der Herr in der gesamten Welt zu Hause ist und sich hier wie dort sehr wohl zu fühlen scheint. Da verzeiht man ihm auch gerne mal ein „Out Of My Mind“ mit der kratzigen Geschmacksspalterin Nicki Minaj, mit der Bobby Ray hier übers Ziel hinaus schießt.
„Strange Clouds“ ist, wie das Debüt zu seiner Zeit, kein herkömmliches Rap-Album, sondern ein munterer Mix aus allerlei Einflüssen. Die Texte sind dabei so unterschiedlich hinsichtlich Tiefe wie die Instrumentale voll mit wunderbaren Melodien, die auf Anhieb zu gefallen wissen. Dass es B.o.B. dabei, trotz zahlreicher Gäste gelingt, stets präsent zu bleiben, unterstreicht derweil nur sein unbestreitbares Können auf dem Gebiet der Unterhaltung. Wer sich jedweder poppigen Anbiederung verweigert, ist hier falsch. Besitzer eines offenen Horizonts sind jedoch herzlich willkommen, in die gut aufgestellte Welt von Bobby Ray einzutauchen und sich von der dargebotenen Kunst berieseln zu lassen. Klasse.
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Diese Rezension erschien ebenfalls auf BackSpin-Media.de

Mittwoch, 23. Mai 2012

Xatar - 415 (Review)




Was mag nur in den Köpfen derer vorgehen, die den Namen Xatar noch niemals zuvor gelesen bzw. gehört haben?Ein stämmiger Kerl, der – Gefängnisaufenhtalt sei Dank – authentischer wirkt, als viele seiner Kollegen. Kann das als Rapper funktionieren, ohne automatisch an andere Beispiele, wie Massiv beispielsweise, in den Köpfen der Hörer aufzurufen? Wieder einer derer, der mehr über den Beat stolpert, denn fliegt und Musik mehr dem ‘coolen’ Ansehen halber macht und weniger der in sich herrschenden Leidenschaft für Silben, Reime und die Sprache an sich? Gedanken, die alles andere als abwegig wirken und teils sogar verständlich und nachvollziehbar wirken, angesichts des vorherrschenden Rufs von deutschem Straßenrap bzw. Gangsterrap, um dem Ganzen die Krone aufzusetzen.
Beginnen wir, ganz untypisch, mit den negativen Seiten von „415“. Da wäre zum einen die etwas drucklose Stimme des Künstlers (eingeschränkte Aufnahmemöglichkeiten sind hierfür keine Ausrede), zum anderen die Tatsache, dass es Xatar schlicht an dem ganz besonderen Etwas fehlt, das ihn unverkennbar macht. Sicher, er rappt mit teils durchwachsenem Flow noch immer besser, als die schlimmsten Befürchtungen und Erfahrungen, aber das wirklich Zwingende in seiner Vortragsweise fehlt schlicht und einfach. Auch im Hinblick auf die abgedeckten Themen herrscht geradezu gähnende Leere. Das immer gleiche Grundthema um Geld, Kriminalität und oberflächlichen Lebensweisheiten langweilt auf Dauer und gipfelt in einem äußerst fragwürdigen Track namens „Interpol.com“, den man nur als misslungene Promoaktion umschreiben kann und an kindliches Prahlen vor Freunden erinnert.
Für das Album sprechen vor allem die Features von Haftbefehl und Nate57. Besonders „Meine Welt“ mit dem Rattos Locos-Signing ist eine kleine Offenbarung und der mit Abstand besten Tracks des Albums, was auch am einnehmenden Instrumental liegt, womit gleich der zweite Pluspunkt Erwähnung findet. Erwartet man im Vorfeld mitunter überladene Synthie-Beats, die vom Rap ablenken sollen, entpuppen sich die Instrumentale als teils sehr schöne Adaptionen von US-amerikanischen Schöpfungen der Ost- bzw. Westküste. Stellenweise übernehmen die Beats gar die Hauptrolle und lassen Xatar nur den Platz in der zweiten Reihe, wie auf „Knast oder Kugel“.
Auch die Aufmachung der CD kann sich durchaus sehen lassen und weiß mit zahlreichen, offensichtlich originalen Ausschnitten aus Dokumenten und Papieren sehr zu gefallen und hebt sich angenehm von 0815-Bildern ab. Zwar kann dieser Umstand alleine das Ruder nicht rum reißen, den Gesamteindruck letztlich aber etwas angenehmer stimmen, der andernfalls doch etwas arg einseitig ausgefallen wäre, so noch auf halben Wege ausgeglichen daher kommt. Freilich ohne über eindeutige Negativaspekte hinwegzusehen.
„415“ ist ein oberflächliches Album, das bestenfalls für den Moment erdacht ist. Die Leistung von Xatar ist ordentlich, wird allerdings nicht selten von den sehr guten Instrumentals überschattet und wenn dies nicht der Fall ist, fallen einem direkt unseriöse Textfragmente ins Ohr (Bsp.: Kool Savas-Seitenhieb auf „Beifall“). Wer keinen Wert auf Inhalt legt und die pure Unterhaltung sucht, bekommt hier ein durchschnittliches Album auf überdurchschnittlichen Beats geliefert, das nicht im Entferntesten an die Entwürfe eines Haftbefehls heran reicht, für ein, zwei Durchläufe jedoch immer noch geeignet ist. Absolut kein Muss und höchstens für Fans interessant.




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Diese Rezension erschien ebenfalls auf HipHopHolic.de