Sonntag, 22. Juli 2012

Automatikk - Vermächtnis


Denkt man an Automatikk, so hat man auf Anhieb das von Klischees überhäufte Bild vom Testosteron-überladenen Proll vor Augen, der mit seinem Auftreten all jene Kriterien erfüllt, die die allgemeinen Medien gerne auf Rapper projizieren. Zugegeben, der Sound der beiden Nürnberger Jungs ist nicht jedermanns Geschmack, doch lässt sich nicht abstreiten, dass das Klangbild stets gleich geblieben ist und sich konsequent jedweden Trends widersetzt hat. So auch auf ihrem neuesten Werk „Vermächtnis“. Schon zu Beginn machen Stücke wie „Ratata“ und das gut arrangierte „Teufel“ mit wie immer gelungenem Savas-Features Spaß, ohne mit fragwürdigen Experimenten Hörer zu verschrecken. Im Gegenteil, mit den beiden Savas-Beiträgen gewinnt das Duo gar an Glaubwürdigkeit hinsichtlich ernstgemeinter Rap-Kunst und erweitert auf diese Art möglicherweise gar neue Hörerkreise, ohne vom altbekannten Rezept abzuweichen.

Zwar schleichen sich hier und da kleinere Makel ein, etwa die mäßige Hook des Titeltracks und auch befindet sich der ein oder andere in seiner Gesamtheit eher als belaglos zu bezeichnende Track an Bord („Papalapap“). Im großen Ganzen ist hier jedoch über weite Strecken ein wohl verdientes Lob angebracht. Und wer noch immer über die ausgelutschten Themen der Straße und seichter Gesellschaftskritik lächelt („Dorn im Auge“), der erfreut sich in jedem Falle an der durch und durch guten Produktionsarbeit, die hinter den siebzehn Stücken steckt und für zusätzliche Freude beim Hörer sorgt. Somit ist „Vermächtnis“ vielleicht noch immer kein Album für die Ewigkeit, aber ein angenehm hörbares Deutschrap-Album voll Straßenrap der besseren Sorte.
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Diese Rezension erschien ebenfalls auf BackSpin-Media.de

Dienstag, 17. Juli 2012

Summer Cem - Sucuk & Champagner (Review)


Es gibt nicht viele Rapper wie Summer Cem – vom Start weg durchaus dankend von Kritikern wie Hörern aufgenommen, mit arrogantem Stil ausgestattet und durch tatkräftige Unterstützung von Eko, gelang es Cem, sich schnell als veritabler Reime-Schubser zu etablieren. Und dennoch hat man immer wieder den Eindruck, dass genau jener in Unterhaltung um und über deutschen Sprechgesang vergessen wird. Dabei besitzt der gute Mann einen technisch ausgereiften Flow, der weit über dem Durchschnitt rangiert und der ihm auch auf seinem neuesten Werk, „Sucuk & Champagner“ als wichtigstes Werkzeug dient. Die Gründe für diese teils ungerechte Behandlung müssen demnach woanders liegen und eine gar nicht so abwegige Theorie könnte besagen, dass es an der thematischen Beschränktheit der Songs liegt. Denn so arrogant und passend Summer Cem auch die Reime raus haut, mehr als ordentlicher Straßenrap, der über Selbstbeweihräucherung und verbale Schellen spricht, kommt dabei selten heraus. Daran ändern auch diese 17 bzw. 20 (auf der Baba Edition) Stücke nichts.

Inhaltlich stets am kreativen Minimum agierend, entstanden so bouncige Club-Tracks wie „Kanakk“ und „Jungs im Club“ mit Nazar und RAF, technischer State Of The Art in Form von „Du Weisst Das“ mit Farid Bang oder fragwürdiger „Streifenwagensound“ mit Massiv. Allesamt keine schlechten Stücke, aber auch nicht unbedingt das, was man noch nicht auf seinem MP3-Player hat. „Wo ist dein Lächeln“ ist dann einer dieser ruhigen Stücke über menschliche Emotionen und bricht aus dem engen Themen-Korsett aus, überzeugt jedoch nur bedingt, da Summer Cem hier unpassend wirkt, ganz im Gegensatz zum tatsächlich recht guten „Herzrasen“. Ebenfalls etwas abwechslungsreicher „Unbesiegbar“ und „Aisha“, welches auf das seit Romeo und Julia bekannte Thema der verbotenen Liebe beruht. Erwähnenswert auch „Immer noch hier“, jedoch vornehmlich aufgrund des Gastparts von MoTrip, der hier einmal mehr in einer eigenen Liga spielt. Nicht weniger gelungen dann auch die Beats, die fast durchweg klar gehen und damit dem jüngsten Trend von klasse Instrumentalen und lediglich ordentlichem Auftritt der Interpreten folgen. Allerdings rechtfertigt dies die Anschaffung der Baba Edition, die neben drei zusätzlichen Stücken auch die Instrumentale enthält. Alles in allem ist „Sucuk & Champagner“ ein von handwerklicher Seite her komplettes Album, das inhaltlich jedoch alles andere als zwingend daher kommt. Ob es für die Jahresbestenliste reicht, bleibt abzuwarten.
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Diese Rezension erschien ebenfalls auf BackSpin-Media.de

Mittwoch, 27. Juni 2012

KC Rebell - Rebellismuss (Review)



Nachdem der einstige Kollege PA Sports erst kürzlich mit seinem zweiten Album an den Start ging, folgte nun auch KC Rebell mit Album Nummer zwei, welches auf den Namen „Rebellismuss“ hört, siebzehn Stücke umfasst und den Essener weiter nach vorne bringen soll. Daher hat man sich entschlossen, auf Features größtenteils zu verzichten und KC alleine auf die Reise zu schicken. Dieser zählt selbstverständlich nicht zu den größten Reim-Jongleuren unserer Zeit, dennoch kommt über die gesamte Spielzeit hinweg nicht der Eindruck auf, etwas Monotones in den Händen zu halten. Dies liegt jedoch vor allem an der weitestgehend sehr soliden Instrumentalisierung, die nicht selten alles ist, was beim Hörer hängen bleibt. Denn hinsichtlich Flow, Reimen und Themen gibt es wohl kein unschlagbares Argument, das für „Rebellismuss“ sprechen könnte. Zwischen etlichen, einfach gehaltenen Representer- und Straßentracks tummeln sich die üblichen Stücke über Liebe sowie aufmunternde Balsam-Songs.
Wirklich nennenswerte Stücke finden sich hier selten. „Ein ganz normaler Tag“ ist vom Konzept her zwar sehr interessant (wenngleich nicht neu), doch scheitert er an der mittlerweile typischen Darstellung vom harten Alltag im ‘Ghetto’. Glaubhafter ist da schon „Meine Geschichte“ und das bereits im Vorfeld als Video ausgekoppelte, ehrlich wirkende „Rosen“. Nett auch „Weisse Fee“, welches mit doppeltem Boden versehen wohl das kreativste Stück Musik auf diesem Album darstellt. Zunächst als üblicher Track über die Liebe handelnd aufgebaut, erkennt man früher oder später die Doppeldeutigkeiten, die nicht etwa einer Frau gewidmet sind, sondern dem weißen Pulver, das man so oft schon mit Mehl verwechselt hat und so schon so manchen Kaffeekranz gesprengt hat. Soweit so gut, doch wer braucht bitte 2012 noch ein ganzes Lied, das nur aus Seitenhieben an die Konkurrenz besteht, wie es KC auf „Ich bin krank“ handhabt? Nun wirklich niemand und schon gar nicht auf einem Album. „Rebellismuss“ ist ein gut durchhörbares Album, in der Summe jedoch berechenbar und damit zu uninteressant, um längerfristig bei der Hörerschaft im Gespräch bzw. Gehör zu bleiben.
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Diese Rezension erschien ebenfalls auf BackSpin-Media.de

Montag, 25. Juni 2012

Far East Movement - Dirty Bass (Review)


Kaum ein Weg führte anno 2010 an „Like A G6“ vorbei, das irgendwo zwischen Rap, Electro und Dance wilderte und inzwischen wohl am Ehesten mit den Herren von LMFAO verglichen werden kann. Doch statt dickem Afro, gibt es beim Far East Movement mehr asiatische Einflüsse, zumindest hinsichtlich der Zusammensetzung des Quartetts. Denn aus musikalischer Sicht ist der auf ihrem mittlerweile vierten Studioalbum präsentierte Sound nach wie vor ein buntes Durcheinander, das vor allem für gute Laune sorgen und dabei für ein Lebensgefühl sprechen soll, dass die Jungs „Free Wired“ bezeichnen. Nun ist vorliegendes Album in seiner Machart durchaus berechen- wie vorhersehbar, gibt der Albumtitel die Marschrichtung doch bereits vor: „Dirty Bass“. Folglich gibt es auf den sechzehn Stücken vor allem eines reichlich – dicken Bass. Weshalb die Verwendung in Clubs wie auch im Auto vorbestimmt scheint.
Nüchtern betrachtet setzt sich das Album vor allem aus zwei wesentlichen Zutaten zusammen. Tanzbare, Stimmung machende und in aller Regel schnell gespielte Instrumentale, die nach vorne gehen. Sowie fast schon zur Nebensache werdender Gebabbel-Rap, bei dem Reime zwar durchaus zu Stande kommen, ein direktes Hinhören jedoch nun wirklich nicht von Nöten ist, wie auf dem auf dreckiger Bassline gesetzten Titeltrack. Aufgepeppt wird diese auf Dauer eintönige Angelegenheit durch eine Hand voll vergleichsweise ruhigerer Stücke („Flossy“, „Little Bird“) oder aber durch die mutige Gästeliste, auf der sich neben umtriebigen Popstars wie Pitbull und Adoleszent-Repräsentant Justin Bieber doch tatsächlich auch ein Deutscher geschlichen hat. Doch nicht etwa die Atzen sind es, sondern – Achtung, festhalten – Tokio Hotel-Frontmann Bill Kaulitz. Hätte man so nicht erwartet, klingt erfreulicherweise auch anders als der TH-Sound, hinterlässt dennoch einen komischen Nachgeschmack. Auch fragt man sich, weshalb das bereits auf dem Vorgängeralbum enthaltene, eingangs erwähnte, „Like A G6“ auch hier vertreten ist (selbiges gilt übrigens auch für „Rocketeer“). Wirklich erfreulich ist dann jedoch noch die Far East-Version von Gigi D’Agostinos „L’Amour Toujours“ auf „Fly With U“ und das Ohrwurm-artige „Lights Out (Go Crazy)“. „Dirty Bass“ ist ein kurzweiliges, knallend eingäniges Album ohne Tiefgang, welches als Soundtrack für den Sommer taugt, ohne restlich zu überzeugen.
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Diese Rezension erschien ebenfalls auf BackSpin-Media.de

Donnerstag, 21. Juni 2012

Jai spricht: Klartext

Wenn du dich dafür entscheidest, Rezensionen zu schreiben, dann rückst du mit dieser Entscheidung zwischen die Stühle, die da heißen "Hörerschaft" und "Künstler". Du solltest einerseits das Schaffen und Sein von Rappern akzeptieren wie honorieren, bei aller negativer Kritik, die du schreibst. Im selben Moment musst du jedoch auch aus der Sicht eines Hörers agieren. Nicht immer ganz einfach, weshalb man leicht dazu neigt, eine der Parteien bevorzugt zu behandeln. Möglicherweise vermittle ich beispielsweise des Öfteren den Eindruck, mehr zu den Künstlern zu stehen, da ich viel Kritik an der Hörerschaft ausübe. Wie ich finde, jedoch zu Recht. Aktuelles Beispiel:

Eine bekannte Internetplattform, die sich mit Rap auseinandersetzt und ein umfangreiches Forum anbietet. Unter anderem gibt es einen Thread, der es Usern erlaubt, ihre Plattensammlung zu präsentieren. Dies hat ein seit kurzem sammelnder User genutzt und seine noch recht überschaubare Liste veröffentlicht und wurde daraufhin von einer Vielzahl anderer User eben dafür belächelt und lächerlich gemacht. Weshalb? Nun, nicht etwa die Größe der Sammlung gab Anlass dazu, sondern die Tatsache, dass diese Sammlung vornehmlich aus bekannten Künstlern bestand und nicht etwa aus Untergrund-Künstlern. 

Anstelle dem jungen Mann Komplimente dafür zu machen, dass er sich anno 2012 noch die Mühe macht und hart erarbeitetes Geld in Platten investiert, gibt es Kritik für die Auswahl der Künstler. Es ist genau dieses Phänomen, welches ich bereits in einem veröffentlichten Leserbrief an die JUICE beschrieb. Ein Großteil der Rap-Hörer scheint vollkommen ignorant zu sein. Man macht sich über Menschen lustig, die nur Mainstream hören (der keinesfalls schlecht sein muss!) und hat keinerlei Verständnis für die ersten, nicht immer einfachen Schritte ins Game. Oder hat jeder von den heutigen (Möchtegern-)Heads gleich mit Untergrundplatten begonnen? Ich kann nur aus meiner eigenen Erfahrung sprechen und auch meine Anfänge waren geprägt von Nelly, DMX, Xzibit und derlei Namen, die mit zu den ersten gehören, denen man, geht es um Rap, begegnet. Nur so war es mir möglich, allmählich über diese Künstler den Anschluss zu neuen Namen zu erhalten. 

Es sind eben diese Momente, in denen ich mich wahnsinnig für (den Großteil) der Hörerschaft von Rap schäme. Sie sind unvernünftig, uneinsichtig, egoistisch und ignorant. Und wäre das noch nicht schlimm genug, sind sie nicht einmal mehr in der Lage, ihre Meinung höflich und für alle verständlich aufzuzeigen, nein, sie schmettern diese nur so hin, ohne Rücksicht auf andere, die Rechtschreibung oder sonst etwas. Es muss gleich verbal in den Angriff gehen. Getreu dem Motto "meine Rap-Helden geben auch direkt in die Fresse, so mach ich das jetzt auch". 

Schwach ist sowas, einfach nur schwach. Von volljährigen, reifen Hörern erwarte ich einfach mehr. Zeigt Verständnis für andere, die eben erst zur Musik gestoßen sind. Lasst sie teilhaben an dem, was ihr aufgebaut habt und unterstützt sie. Und akzeptiert verdammt nochmal, dass es auch Menschen gibt, denen gefällt, was die großen, bekannten Namen so abgeben. Was spricht bitte dagegen, wenn man Geschmack findet an Bushido? Schließt dies automatisch aus, dass andere Kaliber eines Cr7z oder Fage MC ebenfalls den jeweiligen Geschmack treffen können? Ich denke nicht. Zumindest nicht in meinen Augen.

Wir alle schreien immer nach Akzeptanz, Toleranz und das man uns Rap-Hörer endlich ernst nimmt, uns nicht immer nur als übergroße Klamotten tragende, im Sprachgebrauch eingeschränkte Idioten, die nur auf Stress aus sind. Aber wenn wir es nicht einmal auf die Reihe bekommen, uns untereinander mit Respekt zu begegnen, wie sollen wir da erwarten, dass dies nach außen hin funktioniert? Wacht endlich auf und helft dabei mit, den Ruf von Rap zu bessern, indem ihr selbst mit bestem Beispiel voraus geht.

Montag, 18. Juni 2012

Manuellsen - M.Bilal Souledition (Review)



Man attestierst Rappern gerne mal, sie seien nicht wirklich musikalisch und im eigentlichen Sinne ja auch gar keine richtigen Musiker. Seit einer Weile schon beweisen uns eine Hand voll Rapper jedoch das Gegenteil, indem sie sich, neben dem aneinanderreihen von Reimen, auch auf dem Gebiet Gesang mehr oder weniger erfolgreich versuchen. Allen voran seien hier Jonesmann und Manuellsen genannt, letzterer veröffentlichte dieser Tage gar mit der Souledition seines Albums „M.Bilal“ einen Langspieler voller Gesangseinlagen und lässt die Rolle des Rappers seinen Gästen (u. a. MoTrip und Nazar), die so noch einen Hauch Rap mit ins Spiel bringen, neben den Produktionen von Juhdee und Kollegen, die hörbar nah am Rap-Geschehen angesiedelt worden sind mit knackigen Drums und genug Bass, um auch im Auto zu funktionieren.
Der Ruhrpottler versucht demnach auf vorliegendem Album einen Seiltanz zwischen den Genres mit Fokus auf die Sparte Soul bzw. wohl eher RnB. Kein leichtes Unterfangen, wie bereits der Beginn mehr oder weniger eindrucksvoll beweist. So ist „Messerstich“ alles andere als ein üblicher Titel für ein Soul-Stück und wirkt folglich in der Umsetzung leicht halbgar, wie auch das verzichtbare weil durchschnittliche Rap-Feature von Vlacho. Besser macht es da Nazar auf dem direkt folgenden „Fliegen“. Zwar wirkt hier alles zunächst etwas überladen, mit der Zeit findet man jedoch Gefallen am schönen Beat und dem Ohrwurm-Potential des Refrains.
Richtig unglücklich präsentiert sich der Pottweiler dann jedoch im Zusammenspiel mit MoTrip auf „Giftig“. Ein reichlich auf Rap getrimmter Beat lässt Manuellschen ordentlich schwimmen, der in der Folge so klingt, als habe er mit dem Instrumental zu kämpfen, während Trip das Ganze mit seinen Reimen weitaus besser macht und das große Debakel verhindert. Auch im weiteren Verlauf des Albums gelangt man an Stellen, die den Eindruck erwecken, es mangelte an Erfahrung als Sänger und Texter (siehe die leicht nervige Hook von „Sternstaub“).
Es gibt glücklicherweise auch Momente, die allen Bedenken bezüglich der Sangeskünste von Manuellsen vergessen lassen. Die Single „Farben“ etwa, die alles richtig macht, was man nur richtig machen kann und das an US-amerikanische Vorbilder erinnernde, auf clubbig getrimmte „Yeahiyeah“, das schnell ins Ohr geht und Platz macht für einen gut funktionierenden, bewegenden Beat, der in Mark und Bein geht. Bedrohlich gut auch Animus auf „Versteck dich“, einem der wenigen dunklen Songs des Albums, dessen Szenario sehr gut funktioniert.
Alles in allem ist die „M.Bilal Souledition“ eine kleine Enttäuschung. Nicht etwa, weil der Rap zu kurz kommt – dies war schließlich zu erwarten. Sondern hängt zum einen mit der für RnB/Soul nicht unüblichen Themenarmut zusammen (fast immer geht es um Liebe und die Huldigung der Frau), zum anderen an der Tatsache, dass zu oft zu viel auf das fast schon vergessene Autotune zurückgegriffen wurde, was dem Album einen unerfreulichen Hauch von T-Pain einhaucht, was Manuellsen bei bestem Willen nicht nötig hat. Lässt man diesen Effekt künftig weg, pickt sich ausschließlich gut besingbare Stücke und erörtert vielseitigere Themen, darf jedoch gerne auch in Zukunft – zumindest kurzzeitig – die Goldkette gegen den Schal getauscht werden. So jedoch etwas zu vorhersehbar und wenig beeindruckend. Schade.
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Diese Rezension erschien ebenfalls auf HipHopHolic.de

Mittwoch, 13. Juni 2012

Ercandize - Uppercut (Review)



Wie kann man eine an sich recht konsumschwache Hörerschaft dieser Tage noch dazu bewegen, sich ein Album zu kaufen? Entweder man entscheidet sich für ein konsequent durchdachtes Konzeptalbum, man setzt auf allerhand namhafte Features oder man limitiert das ganze mehr oder weniger streng. Für Letzteres entschied sich Ercandize, der für sein ‘Comeback’ eine Limited Edition anbietet, die diesen Titel auch zu recht trägt und auf 1000 Exemplare beschränkt ist, während musikalisch bewusst die einfache Schiene gefahren wird, getreu dem Motto ‘in your face’. Zusätzlich zu den elf Stücken, die „Uppercut“ im Wesentlichen ausmachen, enthält die Limited Edition ein auf der Bonus-CD geparktes Mixtape, ein Booklet mit sämtlichen Texten sowie einem T-Shirt. Nicht gänzlich neu, dennoch eine schöne Sache, die jedoch nicht über die überschaubare Spielzeit der eigentlichen CD hinwegtäuschen mag, die mit Amar und Kool Savas lediglich zwei Gastauftritte beherbergt.
Geradlinig wie der Jab eines Boxers kommt Ercandize auf opulenten Instrumentalen daher und verteilt lyrische Schläge gegen alles und jeden. Kein thematischer Tiefgang, keine detaillierte Gesellschaftskritik. Stattdessen gibt es Battle-Tracks und direkte Hiebe ins Gesicht, ohne Umschückung und Verzierung, roh und ungeschnitten. Dass dabei keine Langeweile aufkommt, ist den durchweg sehr satten und energischen Soundgerüsten (u.a. von Monroe und den Beathoavenz) zu verdanken, als auch Ercs beeindruckenden Fähigkeiten in Puncto Technik und Flow. Es hat schon etwas eindrucksvolles, wenn Line für Line fast schon mühelos aneinander reimt wird und selbst mit dem stets großartig agierenden Kool Savas mitgehalten werden kann. „Uppercut“ ist bei bestem Willen kein Werk für die Ewigkeit, aber ein in seiner Machart angenehm simples, funktionierendes Stück Musik und ein konsequent qualitativ ansprechender Neustart für den „Ivan Drago des Raps“.
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Diese Rezension erschien ebenfalls auf BackSpin-Media.de