Dienstag, 22. Mai 2012

Die Atzen - Atzen Musik Vol. 3 (Review)



Man muss sie längst niemandem mehr vorstellen – Manny Marc & Frauenarzt, die allgemein besser bekannt sind als die Atzen, welche inzwischen auch schon seit mehreren Jahren mit ihrem gut gelaunten Party-Musik-Mix die Charts, Skihütten sowie Ballermänner dieser Welt beherrschen. Mit Rap hat das alles zwischenzeitlich nur noch sehr wenig zu tun und dennoch nimmt man den Erfolg der einst im Berliner Untergrund aktiven Atzen auch als Rap-Hörer wahr und freut bzw. schämt sich mit. So auch, wenn dieser Tage mit „Atzen Musik Vol. 3“ das neueste Werk der arbeitswütigen Feiergeister erscheint, bis zum obersten Rand gefüllt mit auf Clubtauglichkeit ausgelegten Liedern, die leicht zum Mitsingen und noch besser zum Mitfeiern sind. Viel hat sich am Erfolgsrezept der Atzen augenscheinlich nicht getan. Noch immer sind die Instrumentale eine bunte Ansammlung teils heftig böser House-Beats, die abgehackten Reime schnödes Beiwerk, die Refrains das eigentliche Highlight eines jeden einzelnen Songs und anstelle von Nena tritt DJ Antoine als erwähnenswertes Feature auf.
Erneut wird man Zeuge eines Albums, welches nicht für die heimischen vier Wände gedacht ist, sondern einzig und allein darauf abgestimmt wurde, die Meute zu bewegen. Anders ist es kaum zu bewerkstelligen, alle 44 Stücke der beiden Haupt-CDs, sowie den auf einer separaten CD befindlichen DJ Mix an einem Stück anzuhören. Zu ähnlich der Songaufbau, zu plump der Inhalt. Als Teils einer ordentlichen Sause entpuppt sich das Ganze jedoch als ausgesprochen gelungenes Sammelwerk an eingängigen Hymnen, die zwischen Miami, Mallorca und München wohl alles bereithalten, was es für reichlich Spaß auf der Tanzfläche bedarf. „Atzen Musik Vol. 3“ ist frei von Überraschungen, zu jeder Zeit kalkulierbar, kurzweilig dank ‘Scheiß auf den nächsten Tag’-Attitüde und damit genau das, worauf die treue Hörerschaft gewartet hat. Verwendungszweck: Party rocking.

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Diese Rezension erschien ebenfalls auf BackSpin-Media.de

Dienstag, 15. Mai 2012

Jai spricht: über stetig steigende Verblödung dank Facebook

Mal etwas anderes, ohne wirklichen Bezug zur Musik: Vor einigen Wochen las ich einen interessanten Artikel über Facebook und die Erkenntnis, dass eben dies unglücklich mache. Die Begründung lag darin, dass durch das Mitverfolgen der Leben anderer der Eindruck erweckt werden würde, das eigene Leben sei weniger spannend, interessant und lebenswert.

Nur einige Tage darauf las ich erneut etwas über Facebook, erneut war die Kernaussage eher negativer Natur; Facebook lässt die Menschen abstumpfen und, drastisch formuliert, verblöden. Insbesondere der "Gefällt Mir"-Klick wurde eingehend behandelt, der zur Folge hat, dass man auch bei offensichtlich negativen Statusmeldungen ein "Gefällt Mir" von andere erhält. Ein einfacher Klick, bei dem das Gehirn konsequent ausgeschalten und gar nicht angenommen wird, dass es möglicherweise gar nicht vom Ersteller erwünscht ist, mitzubekommen, dass jemandem gefällt, was da Negatives geschehen ist.

Ich wollte es zunächst nicht glauben, dass es solche Beschränkheit wirklich gibt, wurde jedoch heute eines Besseren belehrt. Eine mehr als offensichtliche Statusnachricht und nur wenige Sekunden später das erste "Gefällt Mir". Sarkasmus oder blinde Dummheit? Wohl eher Letzteres. Oder gibt es auch positive Auslegungen eines Autounfalls?

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P.S. Neue Reviews kommen in Kürze, einiges an Material vorhanden. :-)

Montag, 14. Mai 2012

Moe Mitchell - MMS (Review)



Deutscher Soul / RnB hat es nicht unbedingt einfach und genießt, trotz unbestrittenen Stimmtalenten, größtenteils ein kleines Nischen-Dasein, welches gerade einmal für einige wenige Features auf Rap-Stücken nennenswert erweitert wird. Moe Mitchell wurde auf eben diese Weise bekannt und zur singenden Stimme von Kool Savas’ Optik-Regiment, wo er sein durchaus vorhandenes Potential bereits zum ersten Mal ausspielen konnte. Dieses Jahr war es dann endlich an der Zeit, auch auf Albumlänge und gänzlich Solo (keine Features) zu überzeugen, um festzumachen, ob man Moe Mitchell als Künstler auf dem Schirm haben sollte, als einen der wenigen, erfolgreichen Ausnahmen seines Fachs, oder doch nur als einen von so vielen Gesangsparts in Tracks von rappenden Kollegen.
Zumindest die Vorzeichen sprechen eine überaus deutliche, auf Ersteres beruhende Sprache: produziert wurde fast durchweg von Melbeatz, die man ohne Zweifel zu den besten Produzenten in Deutschland zählen darf wenn nicht gar muss, textlich finden sich immer wieder Beteiligungen von Förderer Kool Savas wieder, welcher wiederum den Primus im Bereich Deutschrap stellt. Viel schief gehen kann da eigentlich nicht, möchte man meinen und fühlt in sich zurecht eine gute Portion Vorfreude auf das, was da im Laufe der elf Stücke so ins Ohr gehen wird. Nicht ganz unvernünftig, angesichts eines so bezaubernden Einstandes wie „Alles an dir“, das den Startschuss zu „MMS“ bildet und einen wichtigen Grundstein legt.
So fällt sofort der Hang zum Schönen bei Herrn Mitchell auf. Die angenehm moderne Liebeserklärung „MMS“ oder das sphärische „Stern“ sollen hier nur zwei Beispiele dafür sein, wie aus dem einfachen, aber ungemein tief gehenden Thema Liebe schön ins Ohr gehende Stücke entstehen können. Doch es geht auch anders, wenn für „Meine Stadt“ in eine eher düstere, grau gefärbte Schublade gegriffen wird, die einzig durch die warme Stimme erhellt wird oder wenn das großartig arrangierte „Regen“ bedrückend ruhig aus den Boxen kommt. Das sind in der Tat wunderbare Momente, die der Vorfreude mehr als gerecht werden.
Doch nicht alles ist perfekt an „MMS“. So überzeugt Moe Mitchell stimmlich zwar, dennoch gewinnt man den Eindruck, die wirklich prägenden Elemente des Albums stammen von den durchweg sehr feinen Instrumentalen. Und auch die vorherrschende Themenarmut ist als negativ zu werten. So schön Lieder über die Liebe auch sein mögen (siehe obigen Absatz), auf Albumlänge erhofft man sich einfach noch etwas mehr Abwechslung und Mut zu Neuem. Möglicherweise wären hier sogar ein oder zwei rappende Gastbeiträge sinnvoll und belebend gewesen und hätten dem gesamten Album etwas mehr Kontur verpasst.
Nichtsdestotrotz ist Moe Mitchell mit „MMS“ ein sehr schönes, wenn auch einfach gestricktes Album geglückt, dass erfahrungsgemäß vor allem bei weiblichen Zuhörern für Jubelstürme sorgen dürfte. Bei aller Lobeshymnen sollte dabei jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass hier noch nicht sämtliche Reserven heraus geholt wurden. Vielleicht noch nicht der ganz große Wurf, für ein erstes, kleines Ausrufezeichen reicht es dennoch. Künftig aber bitte mehr Themenvielfalt, damit ein zweites Soloalbum auch wirklich Sinn macht.
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Diese Rezension erschien ebenfalls auf HipHopHolic.de

Sonntag, 13. Mai 2012

Dienstag, 8. Mai 2012

Jai spricht: über Liebe auf den ersten Blick



Rap - eine Musikrichtung von vielen und meine große Leidenschaft. Ich kann mich noch sehr gut an meine ersten Berührungen mit Rap erinnern, denn es ist noch gar nicht so übermäßig lange her. Ich schätze mal, es werden gerade einmal um die 10 Jahre sein. Passiert ist es während des Schullandheim-Aufenthalts, als mir ein Klassenkamerad erste Tracks von Jadakiss, Bubba Sparxxx, DMX und Konsorten zeigte. Die Musik gefiel auf Anhieb, aber es fühlte sich für mich zunächst noch etwas merkwürdig an, merkwürdig neu.

Den ersten Grundstein legte daraufhin die Terror Squad, deren "The Album" wohl zu einem der wichtigsten Alben in meinem Leben wurde. Damit war meine Liebe vollends entflammt und was in den Wochen nach dem Schullandheim folgte, lässt sich durchaus als Kaufrausch bezeichnen. Zunächst auf die bekannten Namen reduziert, kaufte ich so ziemlich alles, was mir in irgendeiner Weise interessant vorkam (und bewies glücklicherweise schon damals ein richtiges Händchen für guten Rap). Es folgte das regelmäßige lesen der JUICE, die Entdeckung neuer und neuer Namen und irgendwann war ich mittendrin, wusste ausreichend Bescheid über das Spiel und seine Beteiligten.

Heute bin ich derart von Rap vereinnahmt, dass ich mir ein Leben ohne gar nicht mehr vorstellen möchte. Noch immer genieße ich jede einzelne CD meiner Sammlung wie am ersten Tag. Und noch immer bereitet es mir große Freude, wenn ich, gefragt nach meinem Musikgeschmack, antworte: überwiegend Rap, nicht ausschließlich, aber überwiegend. Woraufhin meist die üblichen Klischees in den Köpfen der Gesprächspartner kreisen, welche ich geradezu liebend gerne als nur teilweise zutreffend vormache. Ja, man hat es bisweilen nicht leicht, Teil einer Musikrichtung zu sein, die im Auge der Öffentlichkeit als Jugendmusik wahrgenommen wird. Und auch ist es nicht immer so einfach, kompetente Gesprächspartner zu finden, da ein nicht unbeträchtlicher Teil der Hörerschaft tadellos ins Klischee-verseuchte Bild des ausdrucksschwachen 'Yo, Alter'-Typs passt, der  mehr auf Stress aus ist, denn alles andere.

Aber mal ehrlich, wer träumt nicht davon, in vielen Jahren trotz hohen Alters immer noch die Fahne für Rap hoch zu halten, die Musik seinen Kindern und Enkeln weiter zu geben? Alleine diese Vorstellung ist schon fast zu schön um wahr zu sein und dennoch habe ich keinen Zweifel daran, dass dies eines schönen Tages der Fall sein wird.

Bis dahin geht die innige Liebesbeziehung zu Rap unaufhörlich weiter.

Bestens,
Jai

Furious - Sex oder Selters (Review)



„Wer ist dieser Furious? Und was zum Teufel hat Vadim mit dem zu tun?“ heißt es im Intro von „Sex oder Selters“, dem zwölf Stücke umfassenden Album von Furious, seines Zeichens Berliner Rapper und Host vom deutschen End Of The Weak. An sich noch keine große Sache, wäre da nicht noch ein gewisser DJ Vadim, internationale Produzentengröße und Architekt jedes einzelnen Titels auf dieser CD. Und wer den Werdegang von eben diesem sympathischen Russen kennt, der weißt nicht nur um sein Faible fürs Internationale, sondern auch um seine Herzblut, welches er in alle seine Projekte steckt. So auch hier, wenn der bis dahin eher unbekannte Furious sein beachtliches Können auf Platte bannt und dazu passend wunderschöne Instrumentale erklingen, die sich vor keinem Vergleich mit Übersee zu scheuen brauchen. Das vom Funk infizierte „Granaten werfen“, „Kalter Frühling“ als klassisches Muster für Samplekunst oder die akustische Gitarre vom abschließenden „Der Reisende“ – man bekommt mit jedem Titel etwas anderes zu hören, als einen Track zuvor und das Ganze auf eine fesselnde Art und Weise, die nicht langweilig wird.
Furious tut es dem gleich und gibt über die volle Spieldauer, die weder zu kurz noch zu lang ausgefallen ist,  sein Bestes, schafft es, den zunächst unvoreingenommenen Hörer mit jeder Silbe mehr für sich zu gewinnen. Eine Hook wie auf „Granaten werfen“ wirkt zwar noch verbesserungswürdig, dafür überzeugt Furious mit vielseitigem Stil, siehe das recht schnelle „Laut sein“, einer guten Stimme und einem Flow, wie man ihn nicht an jeder Ecke aufs Ohr bekommt. Weshalb man auch zu keinem Moment das Gefühl hat, hier einen austauschbaren Rapper auf Vadim-Beats zu hören, sondern zwei großartige Künstler im Zusammenspiel, die offenbar sehr viel Spaß bei den Aufnahmen hatten. Dies lässt sich zumindest beim Hören von „Sex oder Selters“ interpretieren, einem wirklich gelungenen Album, voll mit organischem, warmen Sound. Sollte man definitiv gehört haben.
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Diese Rezension erschien ebenfalls auf der Online-Präsenz der BackSpin

Freitag, 4. Mai 2012

Upcoming Reviews: Furious, Freidenker,...

So, nachdem die schriftlichen Prüfungen passè sind, ein kleiner Ausblick auf die noch ausstehenden Reviews, welche ihr hier unter anderem in Kürze zu lesen bekommt:

Furious - Sex oder Selters



Freidenker - Randale und Liebe



K-Fly & Low.K - Alle guten Dinge sind 2


Hammer & Zirkel - Sex Sells