Donnerstag, 10. September 2009

Sleep - Hesitation Wounds




Es zeugt von gewissem Mut, sich als Künstler Sleep zu nennen, lässt dieser doch Vermutung zu, man habe es etwa um einschläfernde Melodien und Reimketten zutun, die fernab jeglicher Aufmerksamkeit vor sich hin vegetieren. Dass man sich mit derlei Gedanken mehr und mehr von dem entfernt, was vom hier auftretenden Sleep, seines Zeichens Bestandteil des Künstlerkollektivs Oldominion, geboten wird, wird jeder nickend zustimmen der etwa einmal in den Genuss von „Christopher“ gekommen ist. Haufenweise gute Kritiken, zahlreiche Empfehlungen als (Geheim-)Tipp und trotzdem schüttelt der Großteil nach wie vor unwissend den Kopf beim Thema Sleep.

Ob daran „Hesitation Wounds“, so der Titel seines neuesten Albums, etwas zu ändern vermag, darf dabei bezweifelt werden, was aber selbstredend nicht daran hindert, sich mit dem dreizehn Anspielpunkte umfassenden Werk zu befassen. Zumal es, wie schon „Christopher“ zuvor, erneut mit wunderbar anzuschauendem Artwork daher kommt, auch wenn aus dem normalen Jungen inzwischen eine ans Silent Hill-Universum erinnernde Gestalt wurde. Wo einst idyllische Umgebung den Hintergrund gab, stehen jetzt dunkel wirkende Fantasiewelten. Hat das etwa auch das Ende Sleeps zu bedeuten, wie man ihn bis dato Solo, als Oldominion-Mitglied, oder aber an der Seite von Josh Martinez kennenlernen durfte? Zeit, die CD einzulegen und sich ein Bild vom Ganzen zu machen.

Dessen erste sachte aufgezeichnete Skizzen zeichnet ein „Intro“, das im Anschluss übergibt ans eigentliche Geschehen. Die ersten Töne von „Day Dreamer“ erklingen, die Spannung steigt und schon ist man mitten drin. Ein zunächst leicht überladen wirkendes Beatgerüst nimmt einen begrüßend auf, Sleep steigt mit seiner wiedererkennbaren Stimme mit ein und ehe man sich versieht schwinden die anfänglichen Zweifel. Man beginnt zu träumen und wacht erst am Ende des Stückes wieder auf.

Gerade rechtzeitig um gelungene Stücke wie „Who To Point The Finger At“, „Spent“ und dem „Orchestra Of Strangers“ zu lauschen. Insbesondere auf letztgenanntem Track lässt es sich der ohnehin teils recht flott vorangehende Sleep mal wieder nicht nehmen, dem Beat gegen Ende hin davon zu laufen. Fehlt noch Del Tha Funkee Homosapien, der auf „Lothar“ vorbeischaut und ein paar Zeilen fallen lässt, bevor das Album in die richtig heiße Schlussphase geht.

Diese besteht zum einen aus „Get It“ und allem voran dem mehr als offensichtlichen Höhepunkt der Platte „So Far“, das einen ähnlich hohen Stellenwert einnimmt wie „Say Goodbye“ vom „Christopher“-Album. Musste man sich bei manch vorangegangenem Track noch hinein hören, packt einen dieses Duo von Anfang an und lässt einen vorerst auch nicht mehr los - zwei gesicherte Plätze in der persönlichen Playlist sollten da allemal drin sein.

Gut, am Ende muss man wohl eingestehen, dass sich bei Gegenüberstellung mehr Glanzlichter auf „Christopher“ wiederfinden als auf „Hesitation Wounds“. Auch hätte man sich ein Skit in Form von „Commercial“ getrost sparen können, ist das Album mit insgesamt dreizehn Anspielstationen doch so schon nicht allzu umfangreich. Eine vorsichtige Empfehlung möchte man dann aber dennoch aussprechen, zumindest an offene gesinnte Hörer, die sich von Begriffen wie ‚Experimental Hip Hop‘ nicht abschrecken lassen. Einen Daumen hoch dafür.
___________________________________
Auch erschienen auf RapSpot.de

Sonntag, 6. September 2009

La Coka Nostra - A Brand You Can Trust




Gangstertum und Rapmusik - zwei Komponenten, die bereits seit geraumer Zeit sehr gut miteinander harmonieren. Man denke nur einmal an Tony ‚Scarface’ Montana, der in Rap-Kreisen fast schon fanatisch verehrt wird oder etwa einen Lucky Luciano, der als eines der bekanntesten Gesichter der La Cosa Nostra, der US-amerikanischen Mafia, ebenfalls Kult-Status genießt. Sehr wahrscheinlich auch bei Everlast, Danny Boy, Ill Bill, Slaine und DJ Lethal, die zusammen die La Coka Nostra bilden. Zunächst als loses Kollektiv gestartet, wurde La Coka Nostra schnell als ‚Supergroup’ wahrgenommen, konnte mehr und mehr die Aufmerksamkeit der allgemeinen Hörerschaft für sich gewinnen und vor wenigen Wochen das erste Album vorlegen, „A Brand You Can Trust“.

Ausgestattet mit fünfzehn Tracks, die unter anderem B-Real, Snoop Dogg, Immortal Technique und Bun B als Gastreimer auflisten, möchte man vor allem der Marke La Coka Nostra gerecht werden, die dank vorab veröffentlichter Tracks für Rap der kompromissloseren Gangart steht. Folgerichtig erhofft man sich hier eine wohlwollende Pause von all den Elektro-Rap-Hybriden, die sich derzeit so in den Playlisten tummeln. Stattdessen erwartet man druckvolle Beats, die, vornehmlich von DJ Lethal produziert, gerne auch mal die E-Gitarre nutzen um ordentlich Lärm zu machen, womit das einleitende „Bloody Sunday“ mit Big Left und Sen Dog bzw. das direkt folgende „Get You By“ auch gleich mal treffend umschrieben wäre.

Weniger rockig wird es erst mit dem Doggfather höchstpersönlich, der sich auf „Bang Bang“ zwar zurücknimmt und nur die Hook veredelt, zusammen mit dem hypnotischen Beat aber für das erste Highlight sorgt. Ähnlich viel Spaß machen auch „I’m An American“ mit B-Real und „Nuclear Medicinemen“, das Uncle Howie die Freudentränen in die Augen treiben dürfte und auch angesichts der Featureparts von Q-Unique und Immortal Technique beim Durchgehen der Tracklist ins Auge fällt.

Nicht direkt auffallend, aber genau das, was man sich unter „Hardcore HipHop“ (zu dessen Support im etwas knapp gehaltenen Booklet aufgerufen wird) und La Coka Nostra so vorstellt, sind die übrigen Stücke, die wenig bis nichts verkehrt machen und voll und ganz zufrieden stellen. Dass es nicht immer brachial zur Sache gehen muss, beweisen dann noch „The Stain“ und „Cousin Of Death“, zwei für La Coka Nostra-Verhältnisse ungewohnt ruhig gehaltene Tracks, denen gerade Everlast seinen Stempel aufdrückt und bei „The Stain“ auch als Produzent fungierte.

Zieht man Bilanz, hat man mit „A Brand You Can Trust“ genau das, was der Titel verspricht: keine weichgespülten Chartavancen oder sonstige unpassenden Ausflüge ins Unbekannte. Dass dabei kein Raum für Überraschungen geschaffen wird sollte klar sein, auch kann das Ganze auf die Dauer etwas müde machen. Enttäuscht wird hier aber sicher niemand und die im Vorfeld gestellten Erwartungen konnten allemal erfüllt werden, weshalb da gerne noch mehr kommen darf.
______________
Ebenfalls auf RapSpot.de erschienen

Samstag, 5. September 2009

Skero - Memoiren Eines Riesen




Eigentlich bin ich nicht der große Konzertbesucher und war bis heute kein einziges Mal auf dem Splash oder Hip Hop Open (Minded), habe auch gar kein wirkliches Verlangen danach. Umso erstaunlicher und wertvoller war für mich jener Tag im Juli, als ich an einem wirklich hervorragenden Sommerabend, der vollkommener nicht hätte sein können, Texta im Zuge des Donaufestes live auf der Bühne erleben durfte. Das Publikum war nicht überwältigend groß, aber vielleicht war es genau das, was mir so gut gefiel. Kein enges Rumgedränge, sondern ein entspanntes Stehen vor der Bühne, das zusammen mit dem sympathischen Auftreten der Jungs aus Österreich zu einem echten Highlight meines Sommers wurde.

Seitdem bin ich auf die Gruppe Texta natürlich ungemein gut zu sprechen, weshalb ich mich auch sehr auf vorliegendes Album von Texta-Mitglied Skero freute. „Memoiren eines Riesen“ also, ein Titel, der bei Skeros körperlicher Präsenz von fast zwei Metern durchaus passend wirkt und mit wunderbar komischen Cover auf die Hörerschaft losgelassen wird. Und wer dieses aufmerksam begutachtet, der wird, so viel sei schon mal verraten, so einiges entdecken, was ihn auf den folgenden 18 Liedern ins Auge bzw. Ohr springt. Genaues Studieren des Covers, welches man übrigens aufklappen kann, lohnt sich also.

Skero rappt zwar auf seinem Album, wie sollte es anders sein, im astreinen Österreicher-Deutsch, sprachliche Probleme sollten dadurch aber nicht entstehen, denn im Gegensatz zu den nicht immer leicht verständlichen Schweizer Kollegen, bricht man sich hier keinen ab. Hier und da gibt es zwar kleine Stolperfallen, aber die vermiesen den Hörgenuss nur unwesentlich und wer gar nicht anders kann, der darf sich auf Skeros Homepage begeben und dort die gesamten Texte zum Album herunterladen.

Thematisch geht es auf „Memoiren eines Riesen“ abwechslungsreich zu Gange. Vom im Straßenverkehr spielenden „Fuss vom Gas“ mit Österreichs Charakterkopf Kamp und von Brenk produziert, über urkomische Parts wie das grandiose „Dookie Rope Chain“-Skit und einer „Kabienenparty“ ganz im Stile von Run DMC bis hin zu persönlich wichtigen Inhalten wie dem Graffiti auf dem Shnek MC und Schwarzfahrer beinhaltenden „Grafflove“ – alles dabei, was das geschundene Rapper-Herz begehrt.

In weiser Voraussicht wurden auf der Rückseite des aufklappbaren Covers, nicht nur die Credits abgedruckt, sondern auch vier vollständige Songtexte, die interessanterweise auch zu den Schlüsselstücken des Albums gehören: „Schicksale in der Nacht“, „Fuassboi“, „Levin“ und „Wien“:

Erstgenanntes Lied ist ein beeindruckendes Instrumental von Whizz Vienna, auf dem Skero sehr detailliert schildert, was innerhalb der wenigen dunklen Stunden des Tages so passieren kann. „Fuassboi“ ist eine richtig feine und spaßige Sause, bei der der selbsternannte Riese den Fußballmoderator mimt, der ein Spiel kommentiert, das ein wenig an das inzwischen legendäre Marktplatz-Gekicke des ersten „Werner“-Films erinnert.

Das direkt im Anschluss folgende „Levin“ stellt da das komplette Gegenteil dar und erzählt auf einem sehr gelungenen Brenk-Instrumental die unter die Haut gehende Geschichte eines verstorbenen Freundes, welche den Hörer mit Gänsehaut überkommt. Bleibt noch „Wien“, ein Lied dessen Inhalt klar sein dürfte. Skero erzählt von Österreichs Hauptstadtader und ist hin und her gerissen, wird verrückt, möchte Wien den Rücken kehren, nur um sich wieder auf ein späteres Wiedersehen zu freuen.

Mit Hilfe von Top-Produzenten wie Whizz Vienna und Brenk wurde ein gelungenes Album auf die Beine gestellt, das unterhaltsam ist wie wenig anderes und für scheinbar jeden Moment, jede Gefühlslage den passenden Song bereithält. Mir bleibt folgerichtig nichts anderes übrig, als respektvoll meinen geistigen Hut zu ziehen und mich für die klasse ausgefüllten Minuten von „Memoiren eines Riesen“ zu bedanken.

Rapkolik - Mucize




Oft kommt es nicht vor, dass ich die Gelegenheit habe, über türkischsprachigen Rap zu schreiben. Woran das liegt? Nun, zum einen gibt es wenige Veröffentlichungen, die überregional auf sich aufmerksam machen können, zum anderen gibt es da gewisse Sprachbarrieren, die mir ein genaueres Eingehen auf die Musik erschweren. Dass ich mich dennoch sehr gerne mit Rap auf anderen Sprachen beschäftige, ist vor allem Alben wie „Mucize“ zu verdanken, die mich trotz sprachlicher Unverständlichkeit für sich begeistern können.

Dies ist vor allem Rapkolik geschuldet, jenem aus Berlin-Kreuzberg kommenden MC, der sich auf den insgesamt sechzehn Stücken von „Mucize“, was sich mit „Wunder“ übersetzen lässt, von seiner besten Seite zeigt. Die Tatsache, das Rapkolik kein Neuling am Mikrofon ist, macht sich dabei hörbar bemerkbar, auch wenn man kein Wort seiner Texte verstehen kann. Denn gibt es eine Sache, die sich auch ohne Sprachbildung im Rap erkennen lässt, dann ist es mangelndes Talent. Wer es nicht fertig bringt flüssig und ohne anzuecken über den Beat zu reiten, der wird dies auch nicht mit fremdsprachigen Reimen retouchieren können. Ein Glück, dass beim Kreuzberger alles sitzt und passt, was einen angenehmen Reimfluss ermöglicht.

Und so ist es eine wahre Freude dem Künstler bei seinen Solovorträgen zu lauschen, die nur zwei Mal durch Mithilfe eines Featuregastes ergänzt werden. Einmal BL Diamond auf dem Track „Do It Do It“ und einmal Erci E auf „Yetmedi Yetmez“. Die übrigen vierzehn Anspielstationen werden solo bestritten und hauen mächtig rein, was vor allem an der pompösen musikalischen Untermalung liegt.

Diese wurden fast ausschließlich von Cane Riva produziert, der offenbar eine starke Vorliebe für harte, wuchtige Synthie-Nummern hat und „Mucize“ entsprechend mit Brettern eben jener Art versorgt hat. Die Tatsache, dass er dabei auch immer wieder orientalische Bausteine mit einbaut, sorgt dabei für angenehme Abwechslung und ein durchweg gelungenes wenn auf Dauer auch etwas eintöniges Soundgebilde, dem hier und da ein paar ruhigere Nummern, die sich fernab von Crunk etc. bewegen, gut getan hätte.

Wer sich davon jedoch nicht stören lässt und/oder des Türkischen mächtig ist, der dürfte sonst wohl kaum weitere Kritikpunkte an das Album haben, das mit „Hayat Rüya Degil“ sogar ein an Eminems „Soldier“ erinnerndes Stück bereithält. In jedem Falle mal etwas anderes und damit eine wohlwollende Abwechslung zum Deutschrap und englischsprachigen Veröffentlichungen. Kann man durchaus mal reinhören.

Eyedea & Abilities – By The Throat




Lange hat es gedauert, doch Ende August naht die Erlösung – mit „By The Throat“ erscheint nach fünf langen Jahren wieder ein neues Album des von Kritikern sehr positiv wahrgenommenen Duos. Ganz still war es während dieser Schaffenspause dabei nicht, bereits 2007 veröffentlichte Eyedea zusammen mit seiner Alternativ Rock-Band Carbon Carousel ein Album, das aber naturgemäß wenig bis keine Beachtung seitens der Rap-Anhänger gefunden hat und damit nur am Rande des Eyedea & Abilities-Universums existiert.

Anders sieht es da natürlich beim dritten Langspieler aus, der viel mehr eine zentrale Position einnehmen möchte und den achtbaren Erfolg der Vorgängeralben „First Born“ (2001) und „E&A“ (2004) wiederholen möchte. Und macht man sich mit den äußeren Gegebenheiten von „By The Throat“ vertraut, findet man zunächst einmal Gefallen am schönen Digi Pak und dem gelungenem Cover, das man sich dank aufklappbarem Booklet sogar im größeren Format an die Wand hängen kann.

Musikalisch gibt es wieder allerlei Klänge um die Ohren, die in dieser Form wohl eher unregelmäßig in die Gehörgange Hartgesottener vordringen dürfte, zumindest bei denen, die sich außerhalb von ihrem bekannten Terrain ’Rap’ nur wenig fortbewegen. Allem voran sei vor allem die Gitarre, besser gesagt E-Gitarre, genannt, die sich wie ein roter Faden durch das Album zieht und den Tracks ihre eigenen Noten verpasst.

Das funktioniert mal ganz simpel, wenn etwa die Saiten in schöner Regelmäßigkeit auf dem einleitenden „Hay Fever“ bearbeitet werden und erst zum späteren Songverlauf noch ein Schlagzeug hinzukommt. Mal wesentlich verzerrter und verwinkelter, als man es vielleicht erwartet hätte auf „Time Flies When You Have A Gun“ und hier und da finden sich dann gar Songs, die von der Instrumentalisierung her ebenso gut zu alternativen Rockgruppen gehören könnten („Spin Cycle“, „“Smile“).

Zusammengehalten wird das reichlich experimentelle Vorhaben durch die beiden Akteure selbst, die wohl kaum mehr Rap sein könnten. Sei es der mehrfache DMC-Award-Gewinner DJ Abilities oder der durch unzählige bestrittene Battles gefestigte Rapper Eyedea, der sich auch durch seine formidablen Freestyle-Fähigkeiten einen respektablen Ruf erarbeiten konnte. Hier vereilt sich auf zwei Personen mehr Hip Hop, als es der Großteil der Klingelton-Armada wohl je zusammen bringen könnte.

Einzig die relativ kurze Spieldauer lässt hier Grund zur Kritik, denn mit nur elf Stücken, wovon gerade einmal drei über die magischen drei Minuten kommen, gestaltet sich „By The Throat“ relativ kurz und setzt damit den Trend der Kompaktheit („First Born“ brachte es noch auf satte 18 Anspielpunkte, „E&A“ nur noch auf 13) weiter fort, was zumindest für ein kurzes Zögern beim Kauf führen könnte. Aber es dürfte wohl klar sein, dass jeder, der ein Herz für Rap der experimentierfreudigeren Sorte übrig hat, trotzdem dankbar zuschlagen und sich dieses kunstvoll erarbeitete Album in den Schrank stellen wird.

Donnerstag, 3. September 2009

Eko Fresh - Jetzt Kommen Wir Wieder Auf Die Sachen EP




Rap-Deutschland sei langweilig und biete nur wenig interessante, polarisierende Charaktere – eine Aussage, die man von gar nicht so wenigen Hörern vorgesetzt bekommt, erkundigt man sich nach deren Beziehung zu Rapublik. Nun mag eine derart kritische Sicht der Dinge seine Berechtigung haben und sicher lassen sich auch etliche Halbstarke als „wenig interessant“ betiteln. Eine der in dieser Sparte jedoch mal so gar nichts verloren hat ist Eko Fresh, den man auch, die Geschichte deutschsprachigen Sprechgesanges studiert zu haben, zu den meist diskutierten MCs zählen kann bzw. wenn nicht gar muss. Entweder man hasst ihn, oder man liebt ihn, einfach nur beiläufig hören ist nicht. So auch im Jahre 2009, das mit der „Jetzt kommen wir wieder auf die Sachen“-EP wieder einen neuen Release von Eko aufweisen kann.

Man erinnert sich, 2001 erschien mit „Jetzt kommen wir auf die Sachen“ eine EP, die aus einem einfachen Mönchengladbacher Jungen nicht weniger machte als eines der hoffnungsvollsten und talentiertesten Rap-Talente seit MC Rene. Die Folgen dieser EP dürften hinlänglich bekannt sein, ebenso die damit einhergehende Spaltung der Hörerschaft, die sich nicht einig werden konnte, wie man denn nun zum „König von Deutschland“ stehen soll. Seitdem ist wiederum viel passiert, der Weg aber blieb stets alles andere als eben und glatt. Selbst heute noch liegen genug Steine herum, die es aus dem Weg zu räumen gilt und da wird vorliegende 5-Track-EP sicher ihren Teil dazu beitragen, dass dies auch gelingen wird.

Eingeleitet vom Titeltrack, den Deutschlands Edel-Produzent Monroe freundlicherweise auf Hochglanz produzierte, geht es von Anfang an gut los. Denn das Eko Fresh Talent hat und dieses auch ins Studio tragen kann, ist kein Geheimnis, so auch hier. Lediglich die Instrumentalisierung wirkte bisweilen etwas unglücklich bzw. weniger zufriedenstellend. Nicht so hier, also wird freudig weitergehört, in der Hoffnung auf weitere Glanzlichter zu stoßen.

„Wer zuletzt lacht“ geht dann auch ordentlich klar und kann mit Kingsize erneut einen namhaften Beatbauer auflisten, der hier gute Arbeit leistet, mit dem ebenfalls von ihm produzierten „Die Auferstehung“ aber gleich noch eine Schippe drauflegt. Gleiches gilt Eko, der den Streichern mit seiner charismatischen Stimme zeigt, wer die Hosen bzw. das Mic in der Hand hat. Dazwischen gibt es mit „Bitte Spitte 2010“ noch ein Feature von Farid Bang, den einzigen Gast auf der EP, der im direkten Vergleich zu Eko jedoch etwas hinterherhinkt.

Bleibt noch „Dream“, das neben dem Titeltrack meinen persönlichen Lieblingstrack, der zwar inhaltlich längst nicht so innovativ um die Ecke kommt wie das nächste K.I.Z.-Album oder der letzte Retrogott-Verse, aber handwerklich einfach einwandfrei umgesetzt wird. Mir taugt das vollends, daher dreht sich das Ganze bei mir auch in schöner Regelmäßigkeit im CD-Player.

Ähnlich kann wohl auch das Fazit der EP ausfallen: Wer Innovation groß schreibt und nicht mehr ohne Hahnenkämpfe, Kettensägenmassaker etc. kann, dem wird das hier dargebotene zu trocken sein. Alle anderen, die immer noch wert legen auf Rap-Art der klassischeren Sorte, werden Eko wieder auf dem Schirm haben, wenn sie ihn nicht gar all die Zeit lang mit verfolgt haben. Ein gelungenes Ausrufezeichen mit geschmackvollem Cover – ich mag solche Sachen.

Mittwoch, 2. September 2009

Angie Martinez - Up Close And Personal




Frau Martinez ist eine wahre Größe im New Yorker Rap-Dschungel und konnte gerade durch ihre Tätigkeit als Radiomoderatorin vom bekannten Sender Hot97 wichtige Kontakte knüpfen und ihren Namen in die Gedächtnisse vieler Rap-Hörer brennen. Doch Angie Martinez interviewt nicht nur die großen Namen im Spiel, sondern rappt auch selbst und so erschein 2001 ihr Debütalbum, welches auf den Namen „Up Close And Personal“ hört.

Auf diesem präsentiert sich die attraktive New Yorkerin auf 18 Stücken abwechslungsreich und nicht etwa als Teilzeit-Künstlerin, sondern als waschechte Vollbluts-Rapperin, die allerdings offensichtlich noch nicht den Mut dazu hatte, komplett solo auf die Reise zu gehen. Dafür spricht die etwas magere Anzahl von lediglich zwei Solotracks, die ohne Unterstützung aufkommen. Der Rest läuft unter Interludes, wovon sich insgesamt drei auf dem Album finden, oder bringt bekannte Namen hinzu, die Angie Martinez nach Kräften unterstützen.

Gerade hier zeigt sich, wie wichtig Kontakte in der Industrie sein können. So finden sich auf dem Album Beiträge von Mobb Deeps Prodigy, Wyclef Jean, Snoop Dogg, Big Pun, Mary J. Blige, Jadakiss, Kool G. Rap, Jay-Z und noch weiteren bekannten Namen. Sehr beeindruckend, bedenkt man, dass man es bei „Up Close And Personal“ mit einem Debüt zutun hat und nicht mit dem x-ten Album eines längst etablierten Künstlers.
Da der große Teil der Gäste wie Martinez selbst aus New York kommt, fängt das Album nach einem kurzen Interlude gleich amtlich an mit der Heimat-Hymne „New York, New York“, auf der Prodigy gekonnt Reime beisteuert. Anschließend geht es in ruhigere Gefilde mit dem schönen „Every Little Girl“, auf dessen zurückgelehnten Beat Martinez‘ Stimme besonders gut zur Geltung kommt und neben der akustischen Gitarre eine mehr als gute Figur abgibt.

Ihr puerto-ricanischen Wurzeln, welche sie von ihren Eltern vererbt bekommen hat, präsentiert sie dem Hörer dann auf dem Wyclef Jean-Feature „Coast 2 Coast (Suavemente)“, welches nicht umsonst als Single auserwählt wurde, um der breiten Masse eine der zahlreichen Facetten Martinez‘ zu offenbaren. Clefs Refrain dürfte hierbei dem einen oder anderen Ohr sogar bekannt vorkommen, einfach mal scharf nachdenken woher.

Das Latino-Brett „Live At Jimmys“ schlägt in eine ähnliche Richtung und bringt gleich einmal Big Pun, Cuban Link, Domingo und Sunkiss ins Spiel, allesamt selbst mit lateinamerikanischen Wurzeln versehen. Ein schöner und schneller Song, der warmes, südliches Feeling und die damit verbundene gute Laune schafft. Dass Angie die Hörer aber auch alleine unterhalten kann, zeigt sie auf „Go! (M********A)“, auf welchem sie schnelle Verse bringt, die keinen Gastpart vermissen lassen.

Somit kann man Angie Martinez lediglich als Kritikpunkt vorhalten, dass sie zu oft auf Features gesetzt hat, welche zwar für Abwechslung sorgen und alles andere als schlecht sind (was will man auch anderes erwarten von Big Pun, Jay-Z und Co. ?), Martinez aber unnötig etwas in den Hintergrund stellen. Ansonsten ein sehr gutes Album, das große Namen und die dazu passenden großen Songs beinhaltet, die für einigen Hörgenuss sorgen und ein großartiges Debüt zurücklassen.