Donnerstag, 26. November 2009

Jai spricht: über Reviews (aka Rezensionen)

Es ist mal wieder Zeit für ein offenes Gespräch. Dieses Mal befinden sich Reviews im Fokus. Ein Thema, das in Anbetracht der inzwischen respektablen Anzahl an Rezensionen auf Resurrection of Rap durchaus Sinn macht. Denn natürlich schreibe ich nicht nur selbst, sondern lese mir auch allerhand Reviews anderer Seiten und Rezensenten durch, wodurch man früher oder später anfängt sich mehr Gedanken über das zu machen, was man schreibt und vor allem wie man schreibt.

So sind mir bereits mehr als eine Hand voll Seiten und Blogs bekannt, die Rezensionen auf einem sprachlichen Niveau verfassen, dass man nur neidvoll den Hut ziehen kann. Eloquent wie ein junger Dichter wird Zeile um Zeile geschrieben was das Zeug hält, analysiert und bewertet. Nicht selten mit der Folge, dass ich einen Blick ins Wörterbuch wagen muss um die Aussagen des Rezensenten zu verstehen. Noch anspruchsvoller wird es gar wenn es ins abstrakte geht und detailliert über den Klang der Alben berichtet wird. Ohne den Grundkurs in musikalischem Verständnis hat es den Anschein, dass man nur Mutmaßungen über den Inhalt stellen kann. Aber gut, so muss es ja nicht allen anderen gehen, möglicherweise leide ich auch einfach unter einem eingeschüchterten Wortschatz, lese zu wenig anspruchsvolle Bücher und dergleichen.

Hilfe bekomme ich glücklicherweise zumeist von einem ausgeklügelten Wertungssystem, das mir jede Rezension, die ich in mühsamer Arbeit und minutenlangem Lesens verstehen müsste, handlich ins Bildliche übersetzt. Ich selbst habe mir oft schon Ideen über Bewertungen gemacht, spricht der große Vorteil doch für sich – ein klares, für jeden ersichtliches Fazit, eine Note, ein Wert, an dem die Qualität oder der Nutzen eines Albums ersichtlich werden. Hier glaube ich jedoch auch einen Nachteil entdeckt zu haben, denn nur allzu oft wird das geschaffene System, nach dem benotet wird, nicht vollends ausgenutzt. Da gibt es viel Schlechtes, wenig Mittelmäßiges und alle 5 Jahre mal was, das man vorsichtig als „gut“ abstempelt. Die wirklich guten Noten werden gar nicht erst angerührt oder behandelt wie alternatives Gold.

Jetzt höre ich schon die Meute, wie sie aufgebracht ruft „Das entspricht nun mal genau der Entwicklung des Musikgeschäfts!“. Ein Argument, das ich so zwar verstehen, aber nicht unterstreichen würde. Blicke ich zurück auf die Review-Geschichte des Blogs, so zähle ich allenfalls zwei Hände an Alben, über die selbst ich nur wenig Gutes schreiben konnte. Dazu eine breite Masse an gelungenen, wenn auch nicht überwältigenden, Veröffentlichungen und zu guter Letzt aber immer noch etliche wirklich großartige CDs, die man ruhig auch so der Leserschaft präsentieren kann, darf und angesichts des verheerenden Images von Musik, insbesondere Rap, auch muss.

An Kritik wird man als Schreiber von Rezensionen dennoch niemals vorbei kommen, auch ich nicht. Und doch lässt sich auch beim Umgang mit Kritik ein wesentlicher Unterschied zwischen einzelnen Redakteuren feststellen. Während die einen jede Gelegenheit nutzen um die verbale Kriegskeule auszupacken und draufzuhauen was der Künstler hergibt (teils in richtig beleidigendem Deutsch), begreifen andere die Arbeit, die hinter jedem einzelnen Tonträger steckt und verpacken die Kritik höflich und in keinster Weise aggressiv. Vergessen wir nämlich nicht, gerade der nach bester Möglichkeit objektive Umgang mit der Materie hebt den Schreiber von den Lesern ab, die natürlich feste Meinungen über diese und jene Künstler haben sollten. Weshalb ich am Ende meiner gesammelten Gedanken weiter über Aussagen wie „bei dir schneiden die Alben stets viel zu gut ab“ sinniere, letztendlich aber ganz gut mit meiner Art des Schreibens leben kann.

Mädness - Zuckerbrot & Peitsche




Deutscher Sprechgesang – ein herrliches Thema, über das man über einen schier endlos scheinenden Zeitraum diskutieren, streiten und auch nachdenken kann. Gerade als Rezensent fühlt man sich gerade dazu aufgefordert, sich so seine Gedanken über dies und das zu machen, während der Konsument bisweilen nur selten um die Ecke denkt. Vielleicht liegt darin begründet, warum Deutschrap seit Jahren meckert und nach neuem Wind aufschreit, während es mancherorts bereits genau diese frische Brise in Form begabter Reimer gibt. Nur müsste man sich dafür eventuell die Mühe machen und auch mal etwas anderes wahrzunehmen als das, was man bereits fachgerecht auf Musiksendern wie MTV und Viva (dort läuft doch noch ‚Musik‘, oder?) auf den Tisch bekommt.

Wäre dies die Norm, so hätte wohl jeder, der Aggro Berlin oder sido buchstabieren kann wohl auch ein echtes „Unikat“ im CD-Regal stehen. Dem ist nicht so, vermute ich jetzt einfach mal und daher wird man auch kurz erklären müssen, dass es sich bei „Unikat“ um das beachtlich gut von Kritikern aufgenommene Album des gar nicht so wirklich neuen Mädness handelt, welches nun in der Discographie einen Platz nach hinten schreitet und „Zuckerbrot & Peitsche“ weicht. Dieses lädt einen mit reduziertem Synthie-Beat und einem verbal äußerst Schlagfähigen Mädness gleich ein, auf weitere 16 Stücke zu bleiben. Oder auch nicht. Man will ja schließlich niemand zu seinem potenziellen Glück zwingen.

Den Titeltrack, der gleich den Beginn markiert, verdaut, gibt es Stücke auf die Ohren, die man wohl kaum treffender betiteln hätte können. „Querfeldein“ hält sich etwa, eben genau wie es der Titel verrät, mal so gar nicht an strenge Soundstrukturen und wechselt gerne auch mal den Beatteppich innerhalb des Tracks, während „Kein Kompromiss“ mit Olli Banjo keine Gefangenen nimmt. Und wenn wir schon bei den Features sind, nehmen die Gelegenheit gleich beim Schopf und würdigen die eloquenten Gastbeiträge von Morlockk Dilemma („Schöne Menschen“) und Kool Savas (auf dem drückend auf Böse getrimmten „Solche Rapper“).

Hier wird dann auch besonders deutlich, wieso man Mädness auf dem Schirm haben sollte, denn wer mit Savas, Dilemma und Banjo flowt und dabei so gar nicht wirkt wie die Konkurrenz von Usain Bolt auf 100m, der hat ordentlich was auf dem Kasten bzw. im Reim-Repertoire. Weshalb ganz besonders auf „Unterschätzt“ hingewiesen wird, für das der ideale Feature-Gast gewonnen werden konnte, PMA oder auch Patrick mit Absicht ausgeschrieben. Selbst das ungeschulte Gehör muss hier erkennen, dass da Großes hinterm Mikro geschieht.

Nur wenig dessen was Mädness auf „Zuckerbrot & Peitsche“ abliefert, möchte man ernsthaft kritisieren. Da wäre lediglich „Cool“, das mit „From Dusk Til Dawn“-Schnipsel zwar sauber wabbelt, auf Dauer, spätestens nach mehrmaligem Hören, jedoch auch anstrengt. Ähnlich „Schurz“, nur dass hier schon während des ersten Hörens Ermüdungserscheinungen aufzeigen, ganz einfach, weil man nach der wahren Lawine an Synthie-Stücken und Reimvariationen mal eine Pause brauch. Zumal man bei „Damals ist Vorbei“ oder „Hip Hop“ natürlich nicht nur teilnahmslos dasitzen, sondern zuhören möchte. Davon abgesehen geschieht hier auf Albumlänge jedoch allerhand Bemerkenswertes.

Fazit: Mädness ist anders. Er ist talentierter als die meisten Charaktere im Deutschrap, gar keine Frage. Dazu besitzt er einen für sich stehenden Sound, der sich nicht vom gängigen Klangbild abzeichnet und wird so zum waschechten „Unikat“. Jedoch muss man lediglich wohl dosieren, um nicht allzu schnell die Flinte ins Korn zu werfen. Mein Rat daher: Häppchenweise genießen. Dann hat man länger was davon und darf am Ende wieder mal eine der Lieblingsfragen rund ums Thema Deutschrap stellen – „Wer ist der Beste?“.

Mittwoch, 25. November 2009

Snaga & Pillath - II




Das kam überraschend! Da nahm ich in der jüngsten Vergangenheit kaum mehr was wahr von Snagz und Big Pillath und war dann umso erstaunter, als es plötzlich hieß, es kommt ein neues Album unter dem Titel „II“ an den Start. Als Besitzer des „Aus Liebe Zum Spiel“-Albums brauche ich nicht erwähnen, dass mich diese Nachricht erfreute. Sehr sogar. Denn zwar ist der große Hype um den Pott rum, auch Punchline-Dinger fühlen sich nicht mehr so frisch an, doch gerade deshalb fragt man sich natürlich, wie sich ein „II“ wohl so schlagen wird.

CD also eingelegt und zack, bekommt man schon die erste Backpfeife verpasst. Wieder zu sich kommend, stellt man fest, dass es sich nicht etwa um Muttis Gusspfanne handelte, die einen umhaute. Vielmehr war es der „S&P Shit“, der mit knallendem Beat und zwei unverändert pervers spittenden Punchline-Schwergewichten einschlägt wie nichts Gutes. Abriss-Sound wie ihn auch „Kill Kill Kill“ liefert, nur das hier noch etwas Ragga-Flavour mit eingebaut wird. Setzen dann die Reime ein, spürt man förmlich wie sich die Glückshormone mit dem Testosteron im Körper vermischt. Man feiert das alles, hört sich quasi in Rage, während die Organe der beiden antreiben wie der Militärtribun seine Armee.

So lässt sich natürlich kein vierzehn Stücke starkes Album durchhören, weshalb wieder zurückgeschaltet wird in Form von „Ruhrpott“. Klingt nach gewohnter S&P-Pott-Huldigung, klingt auch fast genau so. Fast, denn als Grundlage des Tracks diente gleichnamiges Stück von keinem geringerem als unserem Wolle-Peter, richtig – Wolfgang Petry. Nicht erschrecken lassen, klingt dufte und Scheuklappen standen einem ohnehin nie schlechter als anno 2009.

Kommen wir zu zwei Höhepunkten des Albums. Zum Einen wäre das „La La La“, das klingt, als hätten die Neptunes höchstpersönlich hinter den Reglern gestanden. Tatsächlich aber wars Juh-Dee, der damit die Grundlage für schamloses, arrogantes Gepöbel auf Topniveau lieferte. Zum anderen Pillath mit seinem Solostück „Sag Es Allen“, das sich heimlich, still und leise zum Repeat-Kandidaten mausert. Hier schlägt das Pendel klar in Richtig Pillath, wenngleich Snaga mit seinem Solo „Von Der Gosse Ins Glück“ ebenfalls Amtliches abliefert.

Wirklich neue Gründe zum Meckern bekommt man eigentlich nicht vorgesetzt. Klar, „Asozialen-Lifestyle II“ ohne sido ist natürlich schade, aber verschmerzbar, da die beiden das Fehlen des Maskenmannes gut kompensieren. Und bestimmen nach wie vor Punchlines die Show, was mit der Zeit auch weniger fesselt. Doch so kennt, liebt und wünscht man sich am Ende S&P auch. Wer dennoch nicht drauf klar kommt, der setze sich bitte mit „Hol Mich Raus“ auseinander, in dem zum Herrn da Oben gesprochen wird. Ernster Inhalt, bei dem man deutlich hören kann, dass Pillath und Snaga voll bei der Sache waren, als sie ihre Lines ins Mic rappten.

„Wohin führt uns unser Weg“ fragt das wortgewaltige Duo am Ende von „II“. Nun, mit Sicherheit lässt sich das nicht sagen, aber ich tippe stark darauf, dass es nicht zurück in die Gosse geht. Denn wie sie selbst richtig anmerken: „Keiner macht es so wie wir“. Und bei keinen Punchlines lacht man derart oft wie hier. Und überhaupt ist „Macho-Sound“ für Zwischendurch doch absolut großartig. Um ein letztes Mal zu zitieren: „So muss es sein“. Recht haben sie.

Dienstag, 24. November 2009

Warren G - The G Files




Was würde man nicht alles darum geben um André Young alias Dr. Dre zu seinem Familienumfeld zählen zu dürfen? Ein Wunsch, der naturgemäß lebenslang im Reich Utopia hausiert, für Warren Griffin III jedoch nichts weiter als die Realität darstellt. Als sei es noch nicht genug der Halbbruder des Rap-Doktors zu sein, brachte er selbst es unter dem Namen Warren G zu einigem Erfolg, konnte mit seinem eigenen Debüt „Regulate... G Funk Era“ nicht nur dreifach Platin einheimsen, sondern auch einen wesentlichen Beitrag zur G Funk-Bewegung abliefern. Zwar blieb dies bis dato sein größter Erfolg und angesichts der Entwicklung des Musikmarktes mag dies auch fürs Erste so bleiben, Musik machte bzw. macht der Mann aus dem Sonnenstaat jedoch fleißig weiter. Nach dem kaum beachteten „Long Beach Veteran“ vom letzten Jahr öffnet er nun „The G Files“, sein bereits siebtes Soloalbum.

Stellt sich die Frage was erwartet werden kann von einem Mann, der offenbar kaum mehr genug Relevanz besitzt, um sich selbst bei hartnäckigen Westküsten-Fanatikern über Wasser zu halten? Blickt man aufs Cover, darf man dann aber zumindest gleich mal ein paar bekannte Namen festhalten, die es als Feature auf das 15 Stücke umfassende Werk geschafft haben. Ausgeschrieben liest sich das dann wie folgt: Snoop Dogg, Travis Barker, Raekwon, Nate Dogg, RBX und Ray J. Gar nicht mal so übel, möchte man meinen, auch wenn ein Snoop Dogg beispielsweise sicher nicht die allergrößte Überraschung darstellt und auch RBX sowie Nate Dogg in ähnlichen musikalischen Gefilden überwintern.

Unspektakulär gestaltet sich dann auch der Hörverlauf. „West Is Back“ geht klar, ringt sich ein „gut“ ab und macht begrenzt Freude, „100 Miles And Runnin‘“ bringt gar echte Qualitäten mit (was nicht zuletzt am Chef Raekwon und Nate Dogg liegt), aber mitnehmen tut das einen nicht so richtig. Zumal sich zwischen den wenigen guten Stücken leider viel Material tummelt, das man mit gutem Willen noch als Füllmaterial bezeichnen würde, nicht jedoch als ernsthaften Kaufgrund. Ausnahmen gibt es, neben den beiden erwähnten Stücken, lediglich noch in Form von RBX, der stimmlich immer noch bissig auf „Suicide“ zu überzeugen weiß und Warren G höchstpersönlich. Ganz ohne namhaftes Feature begibt er sich mit „Hold On“ auf in sich gekehrte Pfade und schafft damit noch das letzte Glanzstück, eines ansonsten recht zahnlosen Albums.

Weder Fleisch noch Fisch, dümpeln die „G Files“ in der Masse der Durchschnittlichkeit umher und warten auf ihre große Stunde, die wahrscheinlich niemals schlagen wird. Schade, aber so wird das dieses Jahr wohl nichts mehr mit der Rückkehr auf die Radare der Rap-Fans. Vielleicht macht es der Halbbruder ja eines Tages besser, sofern „Detox“ jemals das Licht der Welt erblicken wird. Indes verpasst man hier zumindest nicht allzu viel.

Massiv - Der Ghettotraum In Handarbeit




Es gibt viele Meinungen über den Wahlberliner Massiv und dessen musikalische Ergüsse. Die einen lieben was er tut, die anderen lächeln müde über die grammatikalischen Fehler und schenken dem Muskelprotz keinerlei Beachtung. Ganz gleich welche Meinung man vertritt, Massiv hat es geschafft. Vom ersten Demo hin zum ersten (Indie-)Label und Deal beim Plattenriesen Sony BMG vergingen nur Wimpernschläge und auch in der öffentlichen Wahrnehmung gab und gibt es nur wenige ähnlich beachtete Künstler. Daran konnte auch das Verlassen von Sony Music hin zu Fight4Music wenig ändern. Im Gegenteil, groß angekündigt machte man sich Hoffnungen auf einen brauchbaren Release – inklusive einiger, eher personeller, Überraschungen.

„Der Ghettotraum in Handarbeit“ also, ein Titel, der für nicht wenige bereits zu viel des Guten sein dürfte. Hinzu kommt ein Cover, dass wohl selbst hartgesottenen Massiv-Freunden ein Schmunzeln auf die Lippen zaubert. Sich hiervon nicht beeinflussen zu lassen und voreilige Schlüsse auf die hier enthaltene Musik zu ziehen, fällt nicht unbedingt einfach. Doch genug der Äußerlichkeiten, Zeit sich mit dem in kürzester Zeit entstandenem Album und den insgesamt 17 Tracks auseinander zu setzen.

Und schon beim einleitenden „Intro (Sony Rechtsabteilung)“ wird man positiv überrascht. Böse und von Hass geprägt gibt Massiv eine ansprechende Figur ab, schießt munter gegen seine einstige Major-Heimat und macht fürs Erste alles richtig. Im Anschluss folgt mit „Welcome To The Ghetto“ ein unschön betitelter Synthie-Brecher-Beat, der mit großkalibrigen Straßenraps bestückt wird. Das versprüht zwar nicht den Hauch von Weiterentwicklung, ist jedoch allemal willkommener als ein „MAS Techno“. Eine Rückkehr zu den Wurzeln stellt dann das Feature des einstigen Wegbereiters Basstard dar, mit dessen Hilfe „Eiszeit“ ordentlich pusht und nach Vorne geht, inklusive Seitenhieb an Oli.P.

Soweit ganz gut, kommt nun etwas Langeweile auf. Ob „Original Massiv“, „Gangster-Rap Tag Team“, „NaNaNaNa“ (Liedtitel des Jahres 09, irgendwer?) oder „Oberarme angespannt“, inhaltlich verpasst man hier wenig bis gar nichts. Da hilft dann auch ein Kollegah-Feature kaum weiter. Allenfalls den Instrumentalen kann man ein kleines Lob abgewinnen, wobei man Abaz‘ Produktionen besonders herausheben möchte. Das war es dann fürs Erste mit der alten Härte, nun folgt der softe Mittelteil des Albums, der zwischen Melancholie und Kitsch balanciert, aber dennoch für Abwechslung sorgt. Zumal mit sido auch namhafte Prominenz auf den Feature-Rängen vertreten ist.

Kaum der Rede wert sind dann noch Anspielstationen wie „Wir sind Fleischfresser“, welches die Serie der melancholischen Reime beendet und den durchgemischten Schlussteil einleitet. Dieser beherbergt ein Gastspiel von Senna, manchem bekannt durch die Popstars-Gruppe Monrose und „My Life“, ein Track, der richtig gut einfährt. Massiv darf sich hier ein weiteres Mal bei Abaz bedanken, der ein vom Pathos geschwängertes Instrumental schneiderte, das noch so große textliche Fehltritte vom Rapper vergessen lassen würde.

Letztlich wurde „Der Ghettotraum in Handarbeit“ ein durchschnittliches Album, das keine 180°-Wende im Stile des Massivs darstellt - eine leicht positive Tendenz möchte man dennoch ausmachen. Lediglich das Werben von „Blut gegen Blut 2“, das nächste bereits in Arbeit befindliche Album Massivs, im Innerteil des Albums hinterlässt einen faden Beigeschmack.
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Montag, 23. November 2009

Waxolutionists - We Paint Colors




Rap aus Österreich erfreut sich dieser Tage enormer Beliebtheit und bekommt mehr Aufmerksamkeit als man es sich vor einigen Monaten noch hätte wünschen können. Als wäre dies nicht schon erfreulich genug, profitieren vor allem die etablierten Namen des Landes davon und ernten auch außer Landes den verdienten Respekt. Nachdem Kamp etwa mittlerweile jedem halbwegs anwesendem Deutschrap-Teilnehmer etwas sagen dürfte, kommt nun das renommierte Wiener Produzenten/DJ-Trio, die Waxolutionists, mit „We paint colors“ erneut auf die Bühne. Bereits zum fünften Mal in Albumform und bestückt mit Features von allerlei illustren Namen, darunter Dave Ghetto, DJ Vadim, Hezekiah, Frank Nitty (Frank-N-Dank) und Blu.

Womit einem auch glatt das erste, noch zurückhaltend nüchtern gehaltene ‚schick‘ des Mundes entwischt, bevor DJ Buzz, DJ Zuzee und Bionic Kid den Startschuss freigeben. Ein obligatorisches Intro und schon gibt es mit „Flashlight“ das erste erwähnenswerte Stück des Albums, das entfernt an Nicolay erinnert, was durchaus als Kompliment zu verstehen ist. Gar zum Verlieben präsentiert sich der Export aus L.A. Blu, mit dessen Hilfe „Steel Remains“ entstand, das sofort notiert wird und das Prädikat „sehr gut“ erhält. Und wer schon immer mal wissen wollte wie Norman Greenbaums „Spirit in the Sky“ in düster und verschroben klingt, dem sei „Bleak Prophecy“ ans Herz gelegt.

Unterstützung aus dem deutschen Lande gibt’s unter anderem von Blumentopf-Roger, der gemeinsam mit Eigenbrötler Flowin Immo und Manuva an „Showbiz“ mitwirkte. Herausragende Leistungen möchte man ebenso der Feature-Formation Mystic, Dave Ghetto und Hezekiah zusprechen, die gleich zwei Mal als Trio in der Gästeliste auftauchen und mit „Dance With Me“ ein tolles Stück Musik auf den Leib geschneidert bekommen haben, das entspannt und im selben Moment auf die Tanzfläche entführt. Alleine solch eine Form der Ungleichheit zu lesen, birgt schon etwas Einzigartiges, das Ganze dann aber auch zu erleben, lässt sich nur allzu schwer umschreiben.

Die Waxolutionists, kurz Waxos, knüpfen jedoch auch an Altbewährtes an. „Field Of Wonders“ mag da als Beispiel für eher gewohnten, bekannten Waxos-Sound herhalten oder aber die erneute Fortsetzung der „Freifach Musik“, das sich mehr und mehr zur festen Säule im Universum der drei Wiener mausert. Zwar wird das alles streng rational hörenden Mainstream-Ohren zu weit entfernt von bekannten Klängen sein, doch der Erfolg gibt den Waxos schlussendlich recht.

Sonntag, 22. November 2009

Mnemonic - Zeitlos




Die Zeit, des einen Freund des andern Leids. Man kann stundenlang darüber philosophieren, ganze Romane damit füllen (man denke nur an Francois Lelord und dessen Hector) oder ein Album aufnehmen, dessen zentrales Thema eben die Zeit darstellt. Für letztere Möglichkeit entschied sich der Mannheimer Mnemonic im Jahr 2006 und veröffentlichte über die Qualitätsschmiede Kopfhörer Records das dreizehn Stücke umfassende „Zeitlos“.

Nun lassen sich die Künstler, die noch Gewicht in ihre Worte legen, an einer Hand abzählen. Das war vor drei Jahren so und hat sich bis heute nur geringfügig verändert. Nach wie vor hat man es mit tiefgehenden Texten schwer, die Masse auf sich aufmerksam zu machen. Anerkennung bekommt man allenfalls noch von den wenigen echten Musikfreunden, die nicht selten selbst aktiv dabei sind. So auch bei Mnemonic, der seit Tag Eins auf die Unterstützung von zahlreichen bekannten Produzenten zählen kann. Auf „Zeitlos“ finden sich so Produktionen von unter anderem Brisk Fingaz, Shuko, CSP & DJ Crates.

Inhaltlich bekommt der Endverbraucher ernste, melancholische Texte, bei denen das Mitlesen durchaus nicht schadet – ein Glück, dass das Booklet Zeile für Zeile enthält und so genaue Studien über Thematik und Aussage der einzelnen Tracks erlaubt. Doch auch wer weniger Wert auf Lyrics gibt, findet Gefallen am Klangbild des Gesamten. Seien es die Hochglanzproduktionen erwähnter Beatbastler oder aber einfach die stimmgewaltigen Charaktere, die zu Worte kommen. Mnemonic selbst verfügt etwa über ein eindrucksvolles Organ und auch die Feature-Gäste, namentlich Donato, Lunafrow und Dek The Raw, haben einprägsame Stimmen.

Gesprochen wird über die ungewisse „Zukunft“, die „Schieflage“ in jedem selbst, das „Kommen & Gehen“, aber auch über den Künstler selbst erfährt man einiges, wenn „Wie ich bin“ erklingt. Dabei schwingt stets eine bedrückende Schwere mit, die den alltäglichen „Gegenwind“ nicht ausblendet, sondern berücksichtigt. Das macht Mnemonic nicht nur zu einem talentierten Schreiber von Reimen, der hörbar viel Liebe für Rap übrig hat, es macht ihn auch zu einem auf den Boden gebliebenem Rapper, mit dem gerne selbst einmal ein paar Worte wechseln würde. Und letztlich natürlich auch zu einem Künstler, dem man den ein oder anderen Erfolg wünscht. Deutschrap, der sich hören lassen kann.