Donnerstag, 24. März 2011

Exklusiv: EnSilence - Raps Resurrection (Prod. By SoulfulGenius)




Vor gut einer Woche stellte ich an dieser Stelle die äußerst empfehlenswerte Strange Fruit EP der sympathischen wie talentierten EnSilence vor und hatte viel lobende Worte für diese übrig. Umso größer ist daher nun die Freude über einen exklusiven Track, der eigens für 'Resurrection of Rap' entstanden ist. "Raps Resurrection" ist der Name und wie von EnSilence gewohnt, überzeugt der Titel auf Anhieb. Aber am Besten, ihr mach euch selbst einen Eindruck (weiterempfehlen ausdrücklich erwünscht). Resurrection of Rap Exklusiv - die Erste:

Ensilence - Raps Resurrection (Prod. by SoulfulGenius) by saschabauer

EnSilence - Raps Resurrection (Prod. by SoulfulGenius)

Montag, 21. März 2011

Vorschau: Inflabluntahz - Ungeschnittene Seele




Einen ganzen Katalog an bombastischen Titeln im Repertoire haben und daraus nun einige wenige Perlen picken müssen - Segen & Fluch. Aber das haben Best-Of-Alben nun mal so an sich. Wenn in kürze (01. April) jedoch die viel gelobten Inflabluntahz ihre Goldstücke auf einer Veröffentlichung zusammenbringen, dann herrscht ganz besonders große Vorfreude, handelt es sich doch um gleich zwei Premieren:

Nicht nur wird "Ungeschnittene Seele", so der Name des Best-Of-Albums, die erste Veröffentlichung über das Label Feine Kreise sein, es wird auch das erste Mal sein, dass man den Inflabluntahz-Sound auf schwarzem Gold (für Unwissende: Vinyl ist gemeint) zu hören bekommt.

Und als wäre dies nicht bereits Grund genug zur Freude, gibt es neben zehn auserwählten, bereits bekannten Stücken noch zwei exklusive Titel obendrauf. Lange Rede, kurzer Sinn: auf 500 Stück limitiert -> schnell eigenes Exemplar HIER sichern.

Sonntag, 20. März 2011

Raekwon - Shaolin Vs. Wu-Tang




Als Wu-Tang-Sympathisant hat man es wahrlich nicht leicht. Auf der einen Seite die unglaubliche Anfangsphase des Clans, der wesentlich am Bild von Rap, wie wir ihn heute kennen, mitgewirkt hat samt unzähligen, dem Umfeld entspringenden Künstlern, die genügend veröffentlicht haben, um so manches CD-Regal auszufüllen. Auf der anderen Seite der ungewisse Status Quo, über den sich nur mutmaßen lässt. Fakt ist, dass vorliegendes Album bereits 2007 in aller Munde war, damals noch angekündigt als neues Album der Gruppe – nur ohne RZA. Daraus wurde bekanntermaßen nichts, stattdessen hat sich Rae alleine ans Werk gemacht und kurzerhand eine Solo-LP auf die Beine gestellt. Wie gewohnt mit Unterstützung einiger Clan-Mitglieder, jedoch immer noch ohne Beteiligung eines Robert Diggs.

Schon der Titel lehnt sich an den für Wu-Fans elementaren Film „Shaolin and Wu-Tang“ an, welchem zahlreiche Samples entnommen wurden, die es aufs Erstlingswerk der Jungs aus Staten Island schafften. Und auch dieses Album nimmt gekonnt Bezug auf zur asiatischen Welt der Kampfkünste und verwebt diese in bisweilen herrliche Instrumentale. Alleine der Beginn könnte bösartiger kaum sein, schlägt einem die Kombo aus Method Man und Raekwon mit „Every Soldier In The Hood“ gleich ohne Zögern ins Gesicht. Gefolgt von einem meisterhaften Beat vom holländischen Wu’ler Cilvaringz, der nun wirklich keine Wünsche offen lässt und munter Glückshormone im Körper verteilt.

Interessant auch „Chop Chop Ninja“ mit der britischen Sängerin Estelle, die – noch immer nach ihrem amerikanischen Jungen suchend – mal eben an der Seite von Inspectah Deck als Feature-Gast agiert. Was am Ende längst nicht so abstrus klingt, wie es sich zunächst liest. Dagegen wirken „Snake Pond“ und „Crane Style“ schon wieder regelrecht klassisch. Auf ordentlich auf asiatisch getrimmten Beats, erlebt man lyrisches Handwerk erster Güte, wobei vor allem letzterer Track mit Busta Rhymes für restlose Begeisterung sorgt. An dieser Stelle der kurze Tritt auf die Euphoriebremse und kurze Bestandsaufnahme der vorgefunden Mängel, ehe wir uns zum Abschluss noch einmal ganz der Musik hingeben:

„Rock N Roll“ wirkt etwas arg gewollt und fällt rein vom Gesamtbild des Albums aus der Reihe – wenngleich auch dieses Stück zu gefallen weiß. Raheem Devaughn geht auf „From The Hills“ stimmlich etwas zu sehr in die Vollen und erreicht eine der letzten Sprossen auf der Tonleiter. Lloyd Banks wirkt auf „Last Trip To Scottland“ etwas arg angestrengt. Und vom äußeren Eindruck könnte man das Album glatt für ein Mixtape halten. Das Cover unscheinbar, die Gästeliste randvoll (wie sich im Nachhinein herausstellt: zum Glück, da fast ausnahmslos klasse) und die Stücke des Öfteren leider, leider doch ein wenig kurz. Da hier jedoch der Einsatz der Repeat-Taste enorm weiterhilft und dies im Grunde auch nur wieder fürs Album spricht, kehren wir zu den lobenswerten Dingen zurück.

„Ferry Boat Killaz“ ist ein klasse Beweis für Rae’s ungemein umfangreichen Fähigkeiten hinter dem Mikrofon und schraubt die Vorfreude auf ein weiteres OB4CL auf ein jetzt schon beachtliches Niveau. „Moleasses“ fährt den bärtigen Mann aus Florida, Rick Ross auf, der sich achtbar schlägt und einiges an Sympathiepunkten zulegt. Und dann wären da noch die vernachlässigten Beiträge von Black Thought und dem großen Nasir Jones. Um es also kurz zu machen, hat das Album kaum Makel, bewegt sich konstant auf überdurchschnittlich hohem Level und macht insofern fast alles richtig. Nur die Instrumentale müssen beim nächsten Mal auf jeden Fall etwas gestreckt werden – der Stoff macht süchtig. Dope.
____________________________
Diese Rezension erschien ebenfalls auf HipHopHolic.de

Mittwoch, 16. März 2011

Ensilence - Strange Fruit EP (Free Download)




Kaum ein Tag vergeht, an dem mir nicht irgendein mir bis dato unbekannter Künstler sein Werk zur Rezension anbietet (was mich übrigens sehr freut). Der zeitlichen Begrenztheit ist es allerdings leider geschuldet, dass ich nur sehr selten wirklich dazu komme, hinein zu hören und im Anschluss darüber zu schreiben – an dieser Stelle also ein ehrlich gemeintes Sorry an alle, die noch immer auf eine Review warten. Hin und wieder wandert dann aber doch die ein oder andere Veröffentlichung auf meine Festplatte, sei es weil die Mail besonders sympathisch geschrieben wurde (kommt immer gut an!) oder weil sich das Ganze in irgendeiner Form vom Rest abhebt. Auf Ensilence trifft gewissermaßen beides zu.

Sympathisch bodenständig im (virtuellen) Auftreten, zählt die aus Pennsylvania kommende Ensilence zu der allgemein hin noch immer eher überschaubaren Gattung weiblicher MCs. Als sie selbst dann ihre acht Stücke umfassende „Strange Fruit EP“ als durch und durch ehrlich und stimmungstechnisch eher düster beschreibt, ist es um mich geschehen. Ich höre mir das frei herunterladbare Teil an – und bin begeistert! Entgegen meinen eher zurückhaltenden Erwartungen, handelt es sich bei Ensilence um eine äußerst versierte Künstlerin, die sich anhört, als habe sie nie etwas anderes gemacht, als Texte geschrieben.

Ebenfalls eine willkommene Abwechslung: sie scheint mit der eigenen Einschätzung ihres Albums nicht übertrieben zu haben, sondern liegt mit jedem Wort goldrichtig. Die lyrische Ehrlichkeit eines „Who Am I“ durchströmt den Gehörgang und wärmt Herz wie Verstand gleichermaßen und auch folgende Perlen wie „Malcolm Little“, „Interpreter“ oder „Sweet Confession“ zeugen von hohem künstlerischen Ansprüchen und wären ihr Geld wert, wären sie nicht zum kostenlosen Download bereitgestellt worden.

Fehlt eigentlich nur noch die passende Untermalung, die in der Tat eher düster wirkt, ohne in allzu depressiven Gewässern zu fischen. Sie sind in ihrer Schlichtheit wohltuend, unterstützen Ensilence wunderbar und tragen maßgeblich zur Bildung der gewollten Kulisse bei.

Ensilence macht den Eindruck, als sei sie schon jetzt enorm fokussiert und zielstrebig, setzt somit schon hier einen beachtenswerten Standard in Sachen Qualität und lässt für die Zukunft noch so einiges hoffen. Ich kann mich an dieser Stelle nur dankbar verneigen und auf ein baldiges Wiedersehen bzw. -hören pochen. Unbedingtes Download-Empfehlung, zumal – ich wiederhole mich da sehr gerne – kostenlos.

Download

Samstag, 12. März 2011

Jai spricht: übers Forentreiben

Als Mann von Welt ist man in der heutigen Zeit natürlich bei einer fast schon unübersichtlichen Anzahl an Community-Seiten angemeldet, die sich allesamt mit Rap auseinandersetzen und mit eigenem Forum zur Gesprächsrunde laden. Tolle Sache, eigentlich. Aber bei mir ist der Funke bis dato leider nie richtig über gesprungen (mal abgesehen von der Tatsache, dass ich mich generell wenig für Communitys bzw. Foren begeistern kann).

Warum also entzieht sich mir größtenteils der Reiz, wo Konversationen - insbesondere in ausgeschriebener Form - durchaus mein Interesse wecken? Die Antwort auf diese Frage ist nicht ganz einfach zu erörtern, was heißen soll, dass ich selbst sie noch nicht gefunden habe. Ergo folgt nun schlicht und einfach meine Erkenntnis übers Forenleben, so wie ich es bis heute erlebt habe bzw. erlebe.

Die Themen. Sie sind selten außergewöhnlich oder erwecken Lust, seinen Senf dazu zu geben. Ich will nicht meckern, Themen zu finden, die aus der Reihe tanzen und Anreiz bieten, ist unglaublich schwierig. Doch was nutzt es mir, wenn ich satte 50 Threads (nennt man doch so?) habe, die jeweils nur einen anderen Künstler zum Thema haben. Na gut, zu zwei, drei Akteuren schreibe ich meine, etwas ausführlichere, Meinung. Dann hört es aber auch schon auf. Nicht nur, dass es schnell langweilig wird (zumal nicht jeder Musiker gleich viel Gesprächspotenzial beherbergt), es tummeln sich zum überwiegenden Teil lieblose Einzeiler im Thread a la "Gefällt mir" - Facebook lässt grüßen.

Sieht man also über die zahlreichen leer gebliebenen (Künstler-)Threads und Einzeiler weg, bleibt eine Hand voll schön ausformulierter Meinungen, die durchaus guten Nährboden für Antworten, Reaktionen, kurz Unterhaltungen bieten. Doch statt darauf aufzubauen, wird ignoriert und weiter gepostet. Somit geht die Motivation für emsige Schreiber schnell flöten, wirklich gehaltvolle Beiträge verschwinden nur noch mehr zwischen Hirngrütze. Und wenn nicht ignoriert wird, dann wird konsequent kritisiert, wobei Kritik noch ein sehr wohl formulierter Begriff ist. Denn in aller Regel beobachtet man doch viel mehr den direkten Weg zu Beleidigungen und Pöbeleien.

Es kommen einfach keine Diskussionen mehr zu Stande und der Ton untereinander lässt derart zu wünschen übrig, dass man in nur allzu vielen Usern den klischeehaften Rap-Hörer sieht: ausdrucksschwach, geistig noch im Kindergarten, ohne fundiertes Wissen, dafür aber mit umso mehr Selbstbewusstsein ausgestattet, das ausreicht, um ganze Familien zu bedrohen. Oder so ähnlich. Nein, das ist bei bestem Willen kein Umfeld, welches ich mir antun möchte. Und so bleibt mir nicht viel mehr übrig, als in meinem eigenen Kosmos zu existieren, gelegentlich das ein oder andere musikalische Juwel über Facebook zu verbreiten und darauf zu hoffen, dass der ein oder andere den Weg zum "gefällt mir" findet. Womit wir wieder mittendrin im großen Cyber-Dilemma wären. Herrlich.

Montag, 7. März 2011

Lloyd Banks - Hunger For More 2




Raekwon hat es getan, Capone und Noreaga haben es getan, ja selbst ein Sadat X ließ sich dazu hinreißen. Die Rede ist von der inzwischen zum Trend gewordenen ‘2′ im Albumtitel. Zumeist wird damit auf einen überaus großartigen Vorgänger verwiesen, was wiederum neugierig auf den zweiten, den Interviews nach natürlich stets besseren, Teil machen soll. Ob Lloyd Banks’ „Hunger For More“ aus dem Jahre 2004 nun als der ganz große Wurf betitelt werden kann oder vielmehr konnte, sei dahingestellt, auch er versucht sich am zweiten Teil. Die Folge: The Hunger For More 2 oder auch kurz H.F.M.2. Fünfzehn Tracks (darunter 2 internationale Bonus Stücke) und ein ganzes Heer an Gästen mitbringt.

Doch blicken wir zunächst einzig und allein auf unseren Hauptcharakter, Lloyd Banks. Schon zu Anfangszeiten der G-Unit wollte man in Lloyd Banks noch mit das größte Potenzial erkennen, um auch auf Solowegen Fuß fassen zu können. Stimme mit Wiedererkennungswert, ordentlicher Umgang mit dem Mikrofon und von allen Gorillas noch der Leiseste im Raum. Das passte schon recht gut und wurde mit respektablem Erfolg für sein Debüt belohnt. In der Folge litt allerdings auch Banks am Zerfall des Imperiums rund um seinen Freund 50 Cent. Statt den Kopf in den Sand zu stecken, ließ er jedoch im letzten Jahr mit „Beamer, Benz, Or Bentley“ einen echten Hit raus, der für mächtig Rotation sorge und ihn wieder ins Gespräch brachte. Soweit die Historie.

Das Album selbst greift gleich mit dem Opener („Take Em To War“) richtig an und bietet neben einem nüchtern als tauglich zu bezeichnendem Beat auch eine gute Performance von Lloyd Banks, der sich mit Tony Yayo auch gleich erste Verstärkung zur Seite nimmt. Was folgt sind einige durchaus gut hörbare Minuten mit Features von Styles P („Unexplainable“), 50 Cent („Payback (P’s and Q’s)“) und dem direkt aus Virgina eingeflogenen Pusha T, der auf „Home Sweet Home“ besonders gut gefällt. Um das erste Drittel abzuschließen, fehlt noch erwähntes „Beamer, Benz, Or Bentley“ mit Juelz Santana. Man liebt es oder hasst es und gleich wie man dazu steht, das erste Drittel siedelt sich über dem Durchschnitt ein.

Es folgt das gerne einmal vernachlässigte Mittelstück, der Kern eines Albums, wenn man so will. Oft finden sich gerade hier die kargsten Stellen und lieblosesten Songs und auch „H.F.M.2“ bildet da keine Ausnahme. „So Forgetful“ mit Ryan Leslie könnte ironischer kaum betitelt werden, prägt es sich doch kaum ins Gedächtnis ein. Und das vom Grundgerüst her sehr ordentliche „Father Time“, einer der wenigen reinen Solostücke, lässt jede Menge Potenzial liegen und verschenkt in der leidlichen Hook leider Pluspunkte. Weiterhin der Namen halber erwähnenswert ist „Start It Up“ mit einem beachtlichen Quartett bestehend aus Fabolous, Kanye West, Ryan Leslie und Swizz Beatz als Gäste. Liest sich super, hört sich im Endeffekt jedoch weitaus unspektakulärer an, als erhofft.

Zum Schluss sollen es dann die Songs für die Ladys richten. Als Lloyd’sches Doppel auf „Any Girl“ und auf „I Don’t Deserve You“ mit Jeremih soll vor allem den Damen etwas geboten werden. Seichte Raps, etwas schnulzige RnB-Anleihen und schon hat man die Zielgruppe der Käufer um eine Schublade erweitert. Umso überraschter ist man dann, wenn Raekwon das Mic ergreift und mit „Sooner Or Later (Die I Day)“ noch einen der besseren Tracks des Albums aus der Lunge spuckt. Womit wir am Ende der Rundumschau von „H.F.M.2“ wären und näher auf Kritikpunkte eingehen.

Offensichtlichstes Manko ist mal wieder die brechend volle Gästeliste. Lässt man die beiden als Bonus Tracks gehandelten Stücke weg, zählt man ganze zwei Solostücke. Auf allen übrigen Tracks wurde auf Unterstützung gesetzt. Von einem waschechten Soloalbum im eigentlichen Sinne kann also keine Rede sein. Und noch tragischer wird es, wenn man feststellt, dass gerade diese beiden Soloperformances bisweilen mehr überzeugen als einige der gezwungen wirkenden Kollabos. Auch hinsichtlich der Themenvielfalt belässt es Herr Banks bei Altbekanntem. Kann man befürworten oder aber auch kritisieren, dem potenziellen Käufer möchte ich einfach mal Erstgenanntes unterstellen.

In der Summe hat „H.F.M.2“ kaum das Zeug dazu, länger als ein paar Male die Runde im Laufwerk zu drehen. Zwar gibt es den einen oder anderen brauchbaren Song, dazwischen jedoch auch allerhand nicht weiter Nennenswertes, was eine Lobeshymne sondergleichen in irgendeiner Art und Weise rechtfertigen würde. Durchschnitt und mit etwas guten Willen, den wir einfach mal haben, eine Nuance darüber – dass an dieser Stelle dann aber keine Klagen mehr über mangelndes Sättigungsgefühl eingehen.
__________________________
Diese Rezension erschien ebenfalls auf HipHopHolic.de

Freitag, 25. Februar 2011

Bo Flower - Flo Bauer



Wir schreiben das Jahr 2005 und der Markt für Klingeltöne befindet sich auf seinem Zenit. Die Werbungen, insbesondere auf den gängigen Musiksendern, sind voll mit nervigen Anbiederungen, allen voran ein kleines, gelbes Küken. Den Hals voll von eben diesem, veröffentlicht der in Hamburg ansässige Bo Flower „Tötet Sw***ty“ und gelangt damit überregional zu Aufmerksamkeit. Dass dieser bereits 1996 mit Rappen begann, bereits 2004 ein Download-Album veröffentlichte und auch über das Jahr 2005 hinweg aktiv war, wissen dagegen nur die Wenigsten. Stolze 6 Jahre sind mittlerweile verstrichen und mit „Flo Bauer“ erscheint nun das dritte Album in seiner Diskographie, schlicht nach sich selbst betitelt und 12 Stücke umfassend.

Und wo andere Künstler gerne einmal vom persönlichsten Album ihrer Laufbahn sprechen, dabei am Ende doch nur bestenfalls an der Oberfläche kratzen, geht Bo Flower den konsequenten Weg. Bereits der Blick ins Booklet verrät die offene, ehrliche Art des Langspielers. Seite Eins besteht aus einer in vier Abschnitte unterteilte Willkommensrede, durch welche der Käufer unter anderem erfährt, dass sämtliche Fotografien, die man hier betrachtet, direkt aus dem Leben gegriffen und nicht Fotoshootings entnommen sind. Gerade heute, wo viel auf perfekt inszenierte, gekünstelte Hochglanzbilder gesetzt wird, wirkt dies überaus bodenständig und persönlich.

Persönlich ist auch das richtige Wort, um die inhaltliche Linie des Albums auf einen Nenner zu bringen. Die Liebe und die Gesellschaft als Kernthemen, schreckt Bo Flower nicht davor zurück, eigene Erlebnisse in seinen Stücken zu verarbeiten und sie der Welt mitzuteilen. Als Folge dessen haftet den Liedern etwas an, was den Zuhörer teilhaben lässt am Geschehen. Statt sich mit Hilfe von Fantasie in erzählte Ghetto-Dramen hineindenken zu müssen, wird man sich an seine Herz-Dame erinnert fühlen, den eigenen Wunsch vom Flüchten in sich spüren oder einfach nur zustimmend die Aussagen über unserer Gesellschaft zur Kenntnis nehmen.

„Kuck in die Welt“ ist beispielsweise einer jener gesellschaftlichen Analysen, die stets sehr nah den Stand der Dinge und damit die teils ernüchternde Wahrheit wiedergeben. Dabei aber einen allzu pessimistisch-depressiven Ton gekonnt umschiffen. „Nimm's Persönlich“ ist die musikalische Aufarbeitung des Jahres 2008, wie es Bo Flower selbst erlebt hat. Und „Wo Wo Wo“ der Track über die verloren gegangene Liebe, welcher nur wenig später in „Wunderschön“ oder „Niemals“ zwei Gegenstücke findet, die vom Glück in trauter Zweisamkeit sprechen. Egoabfahrten und Selbstbeweihräucherung sucht man bis Zuletzt vergebens.

Soundtechnisch zeigt sich, dass der gute Mann eine Neigung zu gesungenen und leicht bekömmlichen Hooks hat, die selten unangenehm aufstoßen, sondern sehr gut zum allgemein sehr hellen Klangbild passen. Kein Klingelton-Pop-Rap, aber eben auch nicht der staubtrockene Betondunst aus Metropolis. Rap aus Hamburg halt. Weshalb auch die ein oder andere an Auto-Tune erinnernde Gesangskosmetik, etwa auf „Halt Dich Fest“, nicht negativ auffallen, „Niemals“ sogar zu einem der stärksten Stücke des Albums machen.

Zugegeben, der Wechsel von Liebeslied über Gesellschaftskritik zurück zur Liebe gestaltet sich nicht immer ganz übergreifend und auch die reichlich vorkommenden Zeilen über die glückliche Zweisamkeit können etwas ermüden bzw. erfordern die richtige Stimmung. Setzt man sich jedoch näher mit Bo Flower auseinander, hat ein Herz für ehrliche Sätze und kein Problem, auf der dünnen Linie zwischen Kitsch und Gänsehaut umherzuwandern, findet man in „Flo Bauer“ ein überaus ordentliches Album, das gefällt.