Freitag, 7. Dezember 2012

Roc Marciano - Reloaded (Review)



Roc Marciano, das ist für viele der Inbegriff eines modernen Geistes, der den Charme der guten alten Zeit in seinen Liedern in die Gehörgänge zurückbringt, die bisweilen bekanntlich arg grenzwertiges ertragen müssen. Bereits mit seinem Debüt „Marcberg“ aus dem Jahre 2010 gelang ihm ein veritabler Klassiker der Neuzeit und nun folgt mit „Reloaded“ Nachschub in Form von 15 Stücken, die sich, entgegen jedweder Erwartungshaltung, wohlwollend einfach und bodenständig auszeichnen. Tatsächlich hat Marciano selbst wieder den Großteil der Songs selbst produziert und nur eine Handvoll fremde Hände an seine Schätzchen gelassen (u. a. The Alchemist und Q-Tip), so dass der Grundton des Albums erneut dreckig bis düster auf den Hörer übergeht. Und auch wenn es an der Machart der Produktionen selbst keine direkten Fehltritte oder gar Ausreißer zu bemängeln gibt, so kann man doch festhalten, dass alles in einem sehr überschaubaren, schlichten Rahmen gehalten wird. Welcher wiederum einerseits den Hörer entlastet, da dieser sich auf keine nennenswerten Überraschungen einstellen muss. Andererseits aber auch etwas Langeweile offenbart, der ein wenig mehr Details im Grundgerüst der Songs sicher nicht geschadet hätte.
Ohnehin ist es beim einstigen Flipmode Squad-Member seit jeher die Stimme, die den Ton angibt und dieses unglaublich Gelassene in Rocs Art, mit Worten um sich zu werfen. Hier fängt er die Zuhörer förmlich ein und lässt sie teilhaben am rauen Dasein in den Straßen New Yorks und erlaubt so ein äußerst intensives Hörerlebnis, das, beginnend beim geschmackvollen „Tek To A Mek”, erst mit dem abschließenden „The Man“ ein Ende findet. Sich hier einen Höhepunkt zu picken, scheint schwer. Als aussichtsreicher Anwärter wäre da wohl „Death Parade“ zu nennen. Atmosphärisch dicht gehalten und on point, verkörpert es wohl all das, was wir an Rap allgemeinhin so lieben. Für jüngere Köpfe mag dies bisweilen öde und unaufgeregt klingen, gereifte Gestalten werden es jedoch lieben. Und einzig das bis heute unglaublich runde  „Marcberg“ verhindert eine makellose Bewertung eines Albums, das zumindest das Potential hat, es diesem gleich zu tun.

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