Donnerstag, 19. November 2009

David Battle - Absolute Niceness




Nein, der hier erwähnte David Battle bedient sich keines Künstlernamens, um das gleich mal von Beginn an klar zu stellen. Aber ja, beim Stichwort ‚Battle‘ begrüßt man gerne auch diesen Herrn hier am Mic, dessen erklärte Leidenschaft der Battlerap-Zirkus ist, gewürzt mit einer Prise Representern. Gut, klingt jetzt nicht wirklich neu und unverbraucht, aber als eine Hälfte des Berliner Duos „Battle Rapp“ hat das vermeintlich einfache Rezept schon beachtlich gut funktioniert. Mit sido-Feature und hochkarätigen, schnellen Parts ausgestattet konnte deren "Epo$“ für die ein oder andere gern gehörte Überraschung sorgen. Seitdem sind bald 5 Jahre ins Land gestrichen und jeder weiß, dass sich in dieser Zeit, besonders im Musikbusiness, einiges ändert. Fragt sich also, wie sich das Soloalbum von Herrn Battle im Jahre 2009 so schlägt.

Beginnen wir bei David Battle selbst und dessen Fähigkeiten als Rapper, die durchaus nach der ersten Hörprobe auf Anhieb erkennbar sind. Rasant vorgetragene Reime im typischen Battle-Schema ohne große Fauxpas und eine Stimme, die weder nervt noch langweilt, sind dabei nur die offensichtlichsten Pluspunkte des Berliners. Man hat es hier mit einem geborenen Battle-Sympathisanten zutun, keine Frage. Kommen wir nun zum Kern der Sache, dem vorliegenden Album, welches „Absolute Niceness“ verspricht. Was genau darunter zu verstehen ist, ist dabei zwar selbstverständlich eine Sache des individuellen Geschmacks, aber da mit dem eingedeutschten Wörtchen „nice“ doch überaus positive Dinge in Verbindung gebracht werden, darf einiges erwartet werden. Umso trauriger scheint es dann nach dem ersten Hördurchlauf also, wenn man sich bewusst wird, dass die hier versammelten neunzehn Anspielpunkte weder vom Sitz reißen, noch zur tiefen Depression aufrufen. Hier präsentiert sich durchweg annehmbare Rap-Kost, die viele Konkurrenten hinter sich, aber auch noch eine gute Handvoll vor sich lässt.

Sicher, Stücke wie das durchaus gelungene „Großstadtdschungel“, welches mit zum Spitten einladenden Beat überzeugt oder das von hektischer Gitarre begleitete „Amore Gitane“ machen Spaß und lassen sich gut hören. Ebenso aber gibt es auch Tracks wie „Mic und Ich“, bei dem bis zum Schluss der überspringende Funke vermisst wird und „Alle Vöglein“, ein Track, bei dem gestritten werden darf, ob das als gut gemachte Partymucke taugt, oder doch unausstehlich in der Ecke liegen gelassen und erbarmungslos die Skip-Taste gedrückt wird. Negatives Aushängeschild ist dann aber doch noch das bittere „Vor Mitternacht“, das man sich so leider hätte getrost ersparen können, denn seien verzerrte Stimmen in der Post-Auto-Tune-Hochsaison nicht so schon schlimm genug, kommt einem bei auf deutsch vorgetragenen Verzerr-Reisen schlicht das blanke Grauen in die Gehörgänge. So möchte man Deutschrap nicht hören und schon gar nicht jemanden wie David Battle, der eigentlich weitaus mehr Qualitäten vorzuzeigen weiß und sich vielleicht auch öfters mal an ruhigere Themen machen sollte. „Ehrlich währt am Längsten“ ist nämlich dann noch einer der Anspielpunkte, die man sich das ein oder andere Mal geben kann.

In der Gesamtheit leider dennoch ein allenfalls durchschnittliches Album, welches man nicht wirklich gehört haben muss. Ob das nun daran liegt, dass wir eine 9 nach der 0 schreiben sei dahin gestellt, Fakt ist jedoch, dass die „absolute Niceness“ dann doch etwas auf sich warten lässt. Schade, aber vielleicht zündet dann der nächste Release wieder etwas mehr. Darüber freuen würden wir uns allemal.

Mittwoch, 18. November 2009

Fat Joe - J.O.S.E. 2




Und wieder eine Fortsetzung. Nachdem Raekwon vor gar nicht allzu langer Zeit seinen zweiten Teil von „Only Built For Cuban Linx“ an den Start brachte, zieht nun das Schwergewicht aus der Bronx nach. Acht Jahren nach dem ersten „Jealous Ones Still Envy“, kurz „J.O.S.E.“ und einen doch fragwürdigen Albumtitel („The Elephant In The Room“) später geht es in die zweite Runde. Dieses Mal mit an Bord: Zwölf Stücke, die mit Gastbeiträgen von Lil Wayne, Swiss Beatz, angesprochenem Raekwon, Lil Kim sowie den beiden Erfolgsgaranten Akon und T-Pain allerhand Namhaftes für die Hörer bereithalten.

Liest sich amtlich und wie ein Wer ist Wer der jüngeren Erfolgsgeschichte von Rap, markiert aber für die ohnehin schon voreingenommenen Gegner des beleibten Joes den ersten Kritikpunkt. Denn wirklich mutig, experimentierfreudig oder neuartig präsentiert sich das alles nicht. Viel mehr wirkt dies wie ein von vorne bis hinten durchkalkulierter Plan, möglichst große Erfolge zu erzielen. Riskant, bedenkt man, dass der Mann damit die bedeutsame Vergangenheit aufs Spiel setzt, die ihm nicht wenige noch anrechnen, aller Chartanvisierungen zum Trotz. Was aus Joey Crack geworden ist und was die Neider aus ihm gemacht haben, zeigt letztlich aber nur der aufmerksame Ausflug hinein ins Album.

Den Anfang beschreitet „Winding On Me“, ein von Ron Browz gezimmertes Stück Musik, das mit Feature von Lil Wayne auf Auto-Tune nicht nur einige Wochen zu spät kommt, sondern genau so klingt, wie es sich liest, nämlich etwas unspektakulär. Ein kleines Kompliment möchte man allenfalls Ron Browz machen, der ein angenehm bedrohliches Instrumental ins Spiel bringt, das war es dann aber auch schon. Aber jetzt genug gemeckert, weiter gehts und es wird, so viel sei schon mal verraten, besser, wenngleich der erste Eindruck leicht misslungen ist.

„Joey Don’t Do It“ macht da schon so manches besser, erinnert ein wenig an Nas‘ „Thieves Theme“ und weckt in weniger als Zweieinhalb Minuten wieder Hoffnungen auf weiteres brauchbares Material aus dem Hause Fat Joes. Zwar folgen nun drei Tracks, davon je einen mit Akon und einen mit T-Pain als Gast, die auf den ersten Blick für Missmut sorgen, aber alles in allem doch in Ordnung gehen. Sicher keine Ohrwurm-Gefahr wie einst mit Ashanti, aber innerhalb seiner selbst geschaffenen Möglichkeiten holt Herr Cartagena raus was geht. Kann man sich das ein oder andere Mal durchaus geben.

Nun wird es richtig hart für alteingesessene Freunde des Dicken. „Congratulations“ ist, sprechen wir es ruhig offen und ehrlich aus, Musik, wie man sie sich wohl nicht einmal für Lau von den Blogs dieser Welt beziehen würde und wenn sich „Porn Star“ Lil Kim ganz dem Auto-Tune hergibt, dann geht das weit über die Grenzen des guten Geschmacks hinaus. Als wäre es Teil des Konzepts, geht das Kontrastprogramm munter weiter und zieht den Hörspaß mit „Ice Cream“ nach oben. Dabei werden vergleichsweise trockene, wesentlich ruffere Seiten angeschlagen (andernfalls häte sich Raekwon sicher nicht zu einem Gastspiel hinreißen lassen), bevor das Album mit den übrigen drei Tracks ein ordentliches Ende findet.

Was spricht die Bilanz am Ende des Tages also: zwei Totalausfälle, wenig Neues, viel Berechenbares, aber auch gut ein halbes Album voll mit Stücken, die den Qualitätsstandart aktueller Blogosphären-Tracks mitgehen können. Ob das einen nun anspricht oder kalt und regnungslos lässt, ist eine Frage des Geschmacks, erwartet hatte ich, man möchte es mir in diesem Moment vielleicht nicht glauben, Schlimmeres.

Dienstag, 17. November 2009

Blaze - Karma




Echte Musik aus Hessens Metropole gab es dieses Jahr dank des ersten Samplers ja bereits zu vermelden. Und auch die für umsonst herunterladbaren „138 Minuten vor Karma“ von Blaze kamen gut an und machten Lust auf mehr. Da ist es doch ausnahmsweise mal schön, dass die Zeit etwas schneller voranschreitet und wir mittlerweile wohl eher ein paar Minuten nach Karma haben denn vor, erschien jenes Album des Frankfurter Rappers doch bereits Ende September. Da gut Ding ja aber bekanntlich Weile haben will, folgt nun eine kleine Bestandsaufnahme der fünfzehn Stücke, die mit Features von unter anderem Manuellsen und C.J. Taylor von Rapsoul daher kommen.

Wie von Blaze‘ „Schocktherapie“ noch Bestens bekannt, startet auch „Karma“ mit reichlich Synthie-Untermalung und einem tollem Intro, dessen Hören Spaß macht. Den hat man dann auch wenn im direkten Anschluss erst einmal das RTL Wetterprogramm ertönt und das inhaltliche „Mein Deutschland“ einleitet, bei dem Blaze den Hörer durchweg konsequent bei der Stange hält. Ähnlich stark fährt auch das vom Pottweiler Manuellsen mitgestaltete „Neuanfang“ ein, das rein vom Text her sicherlich zu den herausstechenden Stücken des Albums zählt.

Nur mäßig freundet man sich dagegen mit „Ich geb gas“ und dem Titeltrack „Karma“ an. Erinnert erstgenanntes Stück vom Titel her (und glücklicherweise nur daher) an den Neue Welle-Hit von Markus, eint beide das selbe Elend: eine vollkommen unnötige, weil von verzerrter und an längst hinter sich gelassene Auto-Tune-Tage erinnernde Hook, die alle ansonsten recht ordentlichen Bemühungen Blaze‘ hemmen. Schade, da es Blaze in der Regel stets gelingt, auf der Schwelle zwischen gelungen und leicht peinlich zu balancieren.

Beweisstück A wäre „Du schaffst das!“ mit She-Raw, die zu gefallen weiß und B dann das mit C.J. Taylor aufgenommene „Du bist nicht allein“. Zwar bedienen beide mehr als offensichtlich ein recht ähnliches Thema, dass des aufmunternden, hoffnungsspendenden Tracks, welches noch dazu kaum mehr für Innovationshysterie. Aber ist mir persönlich das immer noch allemal lieber als ein verkorkster Ausritt in die experimentelle Szene. Selbiges gilt für den Track „Daddy“, der aber in keiner Discographie eines vatergewordenen Rappers fehlen darf, verständlicherweise.

Noch kurz zu den übrigen Features der Platte: Jonesmann liefert Gutes, wenn auch nicht Weltbewegendes ab, Haftbefehl mag auch dieses Mal (noch?) nicht zünden und R.A.F. wird es bei mir nicht mehr zum Reimebringer Nummer Eins schaffen. Blaze dagegen darf sich weiter Hoffnungen machen und festigt seinen Status innerhalb der deutschen Szene als eigener Charakter, der seinem Stil treu bleibt. In der Schule würde man „Karma“ ansiedeln zwischen „befriedigend“ und „gut“.

Donnerstag, 12. November 2009

Gris - Schwarzweiss in Farbe




Wer sich mit deutschem Rap auseinandersetzt, dem wird das Label Edit Entertainment mit ziemlicher Sicherheit ein Begriff sein, das mit erfrischend anders klingenden Künstlern auf entsprechend Trend-resistenten Beats für wohlwollende Akzente setzt. Neben Amewu aka Halbgott und dem hin und hergerissenem Chefket beherbergt das Label mit Gris einen Reimkünstler, der sich auch wirklich als solcher versteht. Rap als eine Form von Kunst wenn man so will. Klingt nach einer der zahlreichen Floskeln, die sich über jedes noch so langweilige Album übergießen und versuchen aus dem Dorfstotterer von Nebenan einen zweiten Kool Savas zu machen. Da es sich bei Gris jedoch beim besten Willen nicht um einen Neuling handelt und mit seinen bisherigen Veröffentlichungen einiges an Lob einheimsen konnte, wird jedoch ohne zu zögern hingehört.

„Schwarzweiss in Farbe“ also und schon der Titel des achtzehn Stücke umfassenden Albums lässt erahnen, dass die Themen Farbe und Malerei im Leben des Künstlers eine tragende Rolle spielen und sich auch im Namen wiederfinden (gris lässt sich aus dem Spanischen mit „grau“ übersetzen). Zeit also, auch die Mitmenschen mit ordentlich Farbe zu versorgen und so dem kalten, tristen Alltag etwas Positives entgegen zu setzen. Somit scheint der Zeitpunkt der Veröffentlichung gut gewählt, bietet der Blick nach Draußen dieser Tage kaum mehr als Nässe, gefühlte Minusgrade und allzu früh einsetzende Dunkelheit.

Los geht es also und wer gegen derart deprimierende Wetterverhältnisse ankämpfen will, der sollte natürlich gleich von vorne weg ordentlich Alarm machen. Dachte sich auch Gris und schusterte mit „G.R.I.S.“ gleich mal ein ordentliches Brett mit Bounce im Gesäß. Laune gehoben, Aufmerksamkeit des Hörers auf sich gezogen, jetzt folgt das Gegenprogramm in Form des ruhigeren „Tuschkasten“, welches dennoch zum Soundtrack gegen trübselige Stimmung gehört. Grimmig dreinblicken brauch von hier an eigentlich niemand mehr, höchsten die ganz harte Gangsterfraktion deiner Stadt, denen Gris einen „Opferboogie“ spendiert. Dass er damit auf intelligente Art und Weise selbige veräppelt, wird vielen dabei auf Ewig ein Geheimnis bleiben.

Alles gut bislang, die Welt sieht schon ein bisschen bunter aus, doch die Songliste ist noch lang und der Veranstalter des Spektakels legt nach mit klasse Beats („Dulcimer“) und netten Ideen, etwa auf „Danke“ mit Kommilitone und Labelkollege Chefket und „Schall und Rauch“, für das er Namedropping der anderen Sorte vom Stapel lässt. Gemeinsam mit Wakka werden Freundschaften wertgeschätzt („Ein Freund“) und das grandiose „Artcore“ ist ein toller Beweis für das Talent von Gris gelingt es ihm doch tatsächlich mit Worten Bilder zu zeichnen, eine Fähigkeit, zu der nun wahrlich nicht jeder x-beliebige Artist in der Lage ist.

Wer dies fertig bringt, der darf sich dann am Bonus Track noch einmal richtig austoben und ein Snippet zusammenbasteln, mit dem sich der Maler aus Leidenschaft fürs Erste verabschiedet und einen mehr als gelungenen Eindruck hinterlässt, womit er seinen Kollegen Amewu und Chefket mit Sicherheit in Sachen Qualität in nichts nachsteht. Musik um durch die kalte Jahreszeit zu kommen, mit einer fein dosierten Mischung aus Anspruch, Humor und Können.

Mittwoch, 11. November 2009

Freidenker - ...und dann kamen die Touristen




Herbert Grönemeyer und Deutschrap – mag im ersten Moment nicht so ganz zueinander passen, auch wenn mehr und mehr außergewöhnliche Features zustande kommen (prominentestes Beispiel wohl nach wie vor Bushido, der Karel Gott einlud), hat dann aber doch irgendwo gemeinsame Schnittpunkte. Wer nämlich einen Blick auf dessen „Grönland Records“ wirft, der wird mitunter feststellen, dass sich darauf einst mit den Freidenkern eine Deutschrap-Formation tummelte. Zwar ist dies inzwischen Vergangenheit, aber wenn man ihr Album „…und dann kamen die Touristen“ so vor sich liegen hat, fragt man sich natürlich schon, wie das ganze klingen muss, damit es jemandem wie Herrn Grönemeyer zusagt.

Vermutlich ist das ein Thema, das Heikouality, Gil und DJ Kaiser längst nicht mehr hören können und dennoch fällt es schwer, einen der gewichtigsten Namen deutscher Musikkultur einfach so aus der Biographie der Jungs auszublenden. Wer weiß, man kann sich durchaus auch vorstellen, dass dieser Umstand mitunter dafür sorgen wird, dass weit mehr Hörer von den Freidenkern Kenntnis nehmen werden, als es bei vielen der zahlreich vorhandenen Konkurrenten der Fall ist oder war. Aber gut, lassen wir die Musik für sich sprechen und kommen auf diese Thematik zum Ende hin noch einmal zurück.

Fünfzehn Stücke stark und größtenteils von Heikouality und DJ Kaiser produziert, startet das Album nach einem kurzem Intro mit einem ‚Back In The Day‘-Track, bei dem die Kangol ausgepackt bzw. die Beastie Boys-CD eingelegt wird, ohne den Blick auf die Jetztzeit aus den Augen zu verlieren („Neobarrique“). Einen Anfang, den man sich durchaus schlechter hätte vorstellen können und der Lust auf mehr macht. Doch schon im darauffolgenden Track „Weit weg“ wird der Hörer kurz geprüft, denn wenn anno 2009 verzerrte Stimmen auf die Bildfläche stürmen, denkt man unweigerlich an das etwas ausgelutschte Auto-Tune-Gefasel von deinem einstigen Lieblingsrapper. Hier jedoch nicht, zwar wird mit der Stimme gespielt, aber nur um damit einen gelungenen Refrain zu veredeln, der eingängiger wohl kaum sein könnte und in Verbindung mit dem schicken Beat und den hörenswerten Lyrics zu nicht weniger als einem Ohrwurm der übleren Sorte mutiert.

Weniger Ohrwurm, aber dafür mit schickem Streicher im Instrumental folgt „Geh auf Anfang“, bei dem man allenfalls den leicht durchschnittlichen Gesangsauftritt von Vinia ankreiden könnte, das aber nicht muss, da man dennoch ein schönes Stück Musik auf die Ohren bekommt, das gefällt. Richtig Freude kommt auch bei „Schmetterling“ auf, das die Liebe zum Thema hat und für das ein hier großartiger Michael Dalien gewonnen werden konnte, der mit seiner vom Soul getränkten Stimme ein dickes Ausrufezeichen setzt.

In der Folge wird noch „das verflixte siebte“ Jahr behandelt, an dem so manche Beziehung zu scheitern droht und immer wieder gerne diskutiert wird, in wie weit das alles Kopfsache ist. Es werden die Vorteile des Lebens in der Kleinstadt thematisiert („SOS“ mit einem Hauch Raggamuffin) und zu guter Letzt bastelt Heikouality mit Hilfe von Marc Cohns „Healing Hands“ ein unter die Haut gehendes Ende, das die Repeattaste die nächste zeit über fest für sich beansprucht.

So brauch man wahrlich kein Prophet mehr sein um herauszulesen, dass „…und dann kamen die Touristen“ ein überraschend starkes Werk wurde, das mit ehrlichen Texten aus dem Leben, die nicht selten um den Überbegriff ‚Liebe‘ kreisen, zeigt, dass Herbert Grönemeyer ein feines Ohr für gut gemachten Rap hat. Technisch anständig, musikalisch super und ein ernstgemeinter Tipp für Hörer, die gerne zuhören.

Dienstag, 10. November 2009

Blitz The Ambassador - Stereotype




Nach über 175 Reviews ist es zum ersten Mal so weit, auf Resurrection of Rap schlägt der Blitz ein. Doch nicht etwa der zuckende Vorreiter des Donners, sondern in diesem Falle der in Ghana geborene und in Brooklyn, New York, beheimatete Blitz The Ambassador, der dieser Tage mit „Stereotype“ den Markt für Sprechgesang bereichert. Auf 15 Stücken, die mit Features von J. Ivy, Kate Mattison, Rob Murat, Tarrey Torae und Rick Bartlett aufwarten können, spricht der Botschafter seine Reime direkt ins Ohr des Hörers. Ob es sich lohnt hinzuhören, werden die nächsten Absätze zeigen.

Was bereits mit dem ersten Track des Albums, „Prelude“, klar wird, ist die musikalische Vision, die Blitz offenbar anstrebt. Statt elektronischen Klängen, protzen schon die ersten gut eineinhalb Minuten mit allerlei instrumentaler Begleitung. Trompete, Bass und Saxofon hört man da heraus und eine einprägsame Stimme, die zum Hörer spricht und sich, wen wundert es, als die von Blitz selbst entpuppt. Was schon gut einstimmt, ist aber nicht viel mehr als erst der Anfang, so wird im direkt folgenden „Something To Believe“ auf äußerst lebendige Art und Weise eine ganze Band beschäftigt.

Zwar dürfte es mittlerweile kaum einen geben, der sich solch eine Kombination nicht vorstellen kann, gehört es doch mehr und mehr zum guten Ton, eine ganze Band zu beschäftigen und mit eben dieser aufzutreten. Wer aber dennoch etwas Handfestes benötigt um sich selbst eine Meinung über „Stereotype“ zu machen, der höre sich einmal das „Instrumentalude“ an. In den folgenden 100 Sekunden wird ein Paradebeispiel für den Sound des Albums abgegeben, dem lediglich die Stimme des Ambassadors fehlt. Also einfach das Gedankenkino einschalten und sich Rap-Parts auf lebendigen Beat-Teppichen ausmalen. Im besten Falle klingt das Ganze dann so wie auf dem äußerst gelungenem „Breathe“ mit Rob Murat und einem grandiosen Jonathan Powell an der Trompete, dem schlichtweg passenden „Ghetto Plantation“ oder aber dem aggressiv spittenden „Nothing To Lose“ mit Kate Mattison.

So oder so steht am Ende zumeist gelungene Musik, die kaum etwas verkehrt zu machen scheint. Womit wir zu einem Manko des Albums kommen, seiner Glätte. Die Tatsache, dass man hier nichts Unhörbares wiederfindet, ergibt unter Berücksichtigung der wenigen herausstechenden Songs ein Album, das man weder in die Tonne hauen möchte, noch den ganzen Abend hören möchte. Hinzu kommt der Live-Charakter der Tracks, die auf der Bühne sicher mitreißen werden wie nichts Gutes, im heimischen Wohnzimmer aber nach einiger Zeit doch etwas anstrengen, weshalb man „Stereotype“ vielleicht am Besten in Maßen zu sich führen sollte.

Wer dies berücksichtigt, hält so am Ende ein Album in den Händen, das sich nicht hinter Alben der Roots etwa verstecken braucht und mit jeder Menge Energie und lebhaftem Elan auf Tour seine ganzen Ambitionen ausspielt. Mehr als überdurchschnittlich also und den Weg zum Plattenladen wert.

Mittwoch, 4. November 2009

Colos - Independent




Es gibt Rapper, die scheren sich nicht großartig um Inhalt, sondern sehen Rap als Wettbewerb. Statt Geschichten und Inhalt gibt es rohe verbale Gewalt und im besten Falle noch technische Zungenakrobatik, das war es dann aber auch schon. Auf Dauer ist das natürlich nicht das Wahre, wenngleich kurzfristig unterhaltsam, und so gibt es auch Rapper, die ihr Talent dazu nutzen, um mehr Gewicht in ihre Texte zu legen, Geschichte zu erzählen. Das führte natürlich unlängst zu Diskussionen über den Anteil echter Erlebnisse und wie viel von dem Gesagten frei erfunden ist. Jemand, der in diesem Kontext keinen Kommentar abzugeben brauch ist Colos, welcher Ende Oktober sein mittlerweile drittes Album „Independent“ über Mellowvibes Records veröffentlichte.

Geboren im einstigen Jugoslawien und kosovo-albanischen Wurzeln im Blut, zog es den heute in Berlin wohnhaften Colos zunächst als Kriegsflüchtling aus der Heimat hin nach Deutschland, ehe er mit 21 wieder zurück in den Kosovo musste. Achtzehn Monate später folgte die erneute Einreise in Deutschland, ein für ein Jahr gewährter Asylantrag und im Anschluss der illegale Aufenthalt, der erst Ende 2007 ein Ende fand, bis er 9 Monate später ein weiteres Mal in Deutschland einreiste. Soweit das bis dato Wichtigste von der Person Colos. Was seinen musikalischen Werdegang betrifft, erschien sein erstes Album „Honigblut“ anno 2006, welches bereits einige Ambitionen erkennen ließ. 2007 folgte „Leben im Exil“, das eine konsequente Weiterentwicklung wiederspiegelte und zu Recht auf jede Menge Gegenliebe von Presse und Hörerschaft empfang.

Nun also mit „Independent“ Paukenschlag Nummer drei. Wie schon bei seinen Vorgängerwerken, setzt Colos nicht auf plattgetretene Gangster-Plattitüden, sondern legt wert auf Erzählungen. Und wer obigen Lebenslauf kurz überfliegt wird sich eingestehen, dass dieser Mann definitiv mehr zu sagen hat als der Durchschnittsrapper, der außerhalb seiner Heimatstadt noch nicht allzu viel gesehen und außer ein paar Alkoholexzessen nicht allzu viel erlebt hat. Das Ganze stets hörerfreundlich auf Brecher-Beats verpackt und mit einem guten Schuss realitätsnaher Straßenverbundenheit vermengt. Wieso auch groß an einer bereits bewährten Formel herumdoktern?

Stillstand bekommt man auf den 15 Tracks von „Independent“ aber keinesfalls zu hören. So präsentiert sich der gereifte Rapper mittlerweile derart sicher und versiert hinter dem Mikrofon, dass es eine wahre Freude ist, den Reimen zu lauschen. Bereits der Opener „Wie ein Königreich“ lässt kaum Wünsche offen und verfügt über einen ansprechend gezimmerten Beat von 7inch, welcher im Laufe der folgenden Anspielpunkte noch des Öfteren für satte Instrumentals sorgt. Daneben besorgte Woroc ein paar wohlige Brecher und Sneezy durfte einmal ran, für das Hammer & Zirkel-Feature „Keine Zeit für Faxen“.

Auch was die Features angeht, darf ein Lob ausgesprochen werden. Ob das von starken Drums begleitete, stimmige „Wo soll es hinführen“ mit dem Echten Musiker Jonesmann, das atmosphärisch dichte „Der Teufel will mich holen“ mit Jeyz und Criz oder die stimmgewaltigen Gastbeiträge von Emine Bahar, die insgesamt drei Mal in Erscheinung tritt, sie machen ihre Sache gut und liefern gute Parts ab, die Colos unterhaltsam durch die Tracks begleiten. Dass er es aber auch alleine kann, beweisen dann noch Stücke wie „Und es geht wieder los“, dessen leicht hektischer Beat stark an die beiden UK-Boys Oxide & Neutrino erinnert.

Ohne „Independent“ himmelhoch loben zu wollen, muss man dennoch sagen, dass es mit zu den besseren Veröffentlichungen des Jahres zählt und beide Daumen nach oben zeigen. Der erste Daumen gilt Colos und seiner sauberen Art und Weise anspruchsvolle Themen verständlich vorzutragen, der andere den hochklassigen Instrumentalen, die ihren Dienst mehr als achtbar leisten und entscheidenden Anteil am Endprodukt haben. Starke Vorstellung.